Käufliches Glück?

Immer wieder wird in den Medien suggeriert, dass der Konsum von anscheinend notwendigen Produkten glücklich machen soll. Ist Glück wirklich käuflich? Kennen Sie den Schlüssel zum Glück? Haben Sie schon eine passende Antwort gefunden?  Lassen Sie uns die Dinge gemeinsam kritisch beleuchten.

Mit solchen Fragen und dessen Beantwortungen haben sich schon zahlreiche WissenschaftlerInnen in der Glücksforschung beschäftigt. Dieser zusammenfassende Bericht soll Ihnen dabei helfen einen Überblick zu gewinnen. Der Darstellungsschwerpunkt liegt in der sozialwissenschaftlichen, psychologischen und ökonomischen Glücksforschung.

Sozialwissenschaftliche Glücksforschung

Glück und Werbung – passen diese Begriffe zusammen?

Der Soziologe Alfred Bellebaum hat in seinem Herausgeberwerk „Glücksangebote in der Alltagswelt“ (2006) interessante Aspekte des Glücks gesammelt, die in diesem Abschnitt als Grundlage dienen sollen.

Ja, die beiden Begriffe Glück und Werbung passen zusammen, denn viele Marketingexperten bedienen sich des Phänomens Glück um profitable Geschäfte zu erzielen. Gerade in der Werbung werden viele Glücksangebote bzw. Glücksversprechungen verkauft. Denn eine gut gemachte Werbung zeichnet sich darin aus, dass sie das verspricht, was die inneren Wünsche von uns, den KonsumentInnen sind. Der Soziologe Norbert Bolz spricht von Wünschen zweiter Ordnung, die über die eigenen Wünsche hinausgehen und einen spirituellen Mehrwert beinhalten. So verspricht die „Wellness-Wurst“ nicht nur das Stillen unseres Hungers, sondern auch einen Beitrag zu unserem generellen Wohlbefinden.

Warum sind wir als KonsumentInnen so beeinflussbar?

Wir als KonsumentInnen sind beeinflussbar, weil Marketingexperten wissen, an welchen Fäden sie ziehen müssen. Im Marketing ist es neben dem oben erwähnten Mehrwert wichtig den Erlebniswert von Gütern zu verkaufen und nicht nur deren Gebrauchswert. Die Werbung verspricht somit nicht Glück durch Güter, sondern durch Erlebnisse: einen „feel-good“ – Lebensstil. Gerhard Schulze, ein weiterer Soziologe definiert die moderne Gesellschaft gar als eine „Erlebnisgesellschaft“, ganz nach dem Motto „Erlebe dein Leben!“

Wie können wir diese Werbebeeinflussung als KonsumentInnen durchschauen?

„…Werbung bewusst wahrnehmen und kritisch hinterfragen…“

Hilfreich ist, die Werbung bewusst wahrzunehmen und kritisch zu hinterfragen. Wir wissen nun, dass Verkaufsstrategien Erlebnisse vermitteln wollen, einen (angeblichen) Mehrwert anbieten. Versuchen Sie doch das nächste Mal, Verkaufsstrategien – wie z.B. das aktuelle „Kauf dich glücklich“ – aufmerksam zu hinterfragen.

Psychologische Glücksforschung

Was unterscheidet glückliche von unglücklichen Menschen? Gibt es tatsächlich einen Schlüssel fürs Glück?

Die Psychologen Martin Seligman und Ed Diener zeigen in ihrer Studie „Very Happy People“ (2001) interessante Aspekte über sehr glückliche Menschen und versuchen  die Frage nach dem passenden Schlüssel für das Glück zu beantworten.

„Soziale Beziehungen sind wichtig für das Glück!“

In dieser amerikanischen Studie zeigen die wesentlichen Ergebnisse, dass sehr glückliche Menschen vor allem große Unterschiede in den sozialen Beziehungen aufweisen. So beschreiben sehr glückliche Menschen im Unterschied zu Unglücklichen bessere Beziehungsqualitäten zu Freunden, Familienmitgliedern und PartnerInnen und verbringen dementsprechend auch weniger Zeit allein.

Seligman und Diener erklären, dass sichere und wertvolle Beziehungen eine wichtige Voraussetzung für das Glück sind. Dennoch gibt es nicht den einen passenden Schlüssel. Die von den Autoren gewählte Metapher eines Sinfonieorchesters, das sich durch die Kombination vieler einzelner Musikinstrumente auszeichnet, spiegelt die Komplexität des Glücksempfindens sehr gut wieder.

Ökonomische Glücksforschung

Welche Rolle spielt Geld beim Glücksempfinden? Ist viel Geld wirklich eine Voraussetzung für das Glück?

Der Ökonomieprofessor Mathias Binswanger nimmt in seiner Radiosendung (2010) „Die Reduktion als Weg zum Glücklichsein – Warum mehr Einkommen nicht glücklicher macht.“ Stellung zu einer heftig diskutierten Gesellschaftsansicht. Unter „Empfehlenswertes“ finden Sie weiter unten die ganze Aufzeichnung der Radiosendung. In diesem Bericht werden nur die wichtigsten Inhalte beleuchtet und kurz beschrieben.

„Geld allein macht nicht glücklich!“

Binswanger erklärt, dass das Glück von LottogewinnerInnen nur von kurzer Dauer ist und sich längerfristig gar nicht bestätigen lässt. Studien haben gezeigt, dass das Glücksempfinden unmittelbar nach dem Gewinn zwar ansteigt, aber nach einem Jahr schon wieder verschwunden ist. Dass Geld als Basis für die Befriedigung unserer grundlegenden Bedürfnisse wie z.B. nach Nahrung, Wohnung etc. notwendig ist, streitet Binswanger nicht ab: ganz im Gegenteil betont er die Wichtigkeit eines minimalen Einkommens.

Gleichzeitig verweist er auf eine Studie, die zeigt, dass die amerikanischen „amish people“, die ein Leben wie im 17. Jahrhundert führen und jegliche Art von materiellem Wohlstand ablehnen, ebenso glücklich sind wie die reichsten AmerikanerInnen, also jene 10 % mit dem höchsten Einkommen! Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die Annahme „Je mehr, desto besser“ nicht auf unsere finanziellen Verhältnisse zutrifft.

 

Fazit

Es wurden Einblicke in drei große Felder der Glücksforschung gegeben. Mir persönlich erscheint es als zentral, dass weder das Konsumieren von Produkten noch das Besitzen von viel Geld uns wirklich glücklich macht. Stattdessen lohnt es sich viel mehr, unsere sozialen Beziehungen zu pflegen.

Von Daniela Paterno

Quellenhinweis:

Bellebaum, A. & Herbers, D. (2006). Glücksangebote in der Alltagswelt. Münster: Aschendorff Verlag. S.131-150.

Binswanger .M. Radiosendung „Die Reduktion als Weg zum Glücklichsein – Warum mehr Einkommen nicht glücklicher macht.“  Verfügbar unter: http://vorarlberg.orf.at/magazin/klickpunkt/focus/stories/482671 [01.03.2011]

Diener E. & Seligman M. E. P. (2002). Very happy people. American Psychological Society. Vol.13, No.1. S.81-84.

Empfehlenswertes

Buchempfehlungen:

Radiosendungen:

  • Prof.Dr. Mathias Binswanger: „

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Filmempfehlung:

  • Jean Penn: „Into the wild

    Falls Sie sich dem Glücksthema auf eine ganz andere Art nähern wollen, dann empfehle ich Ihnen den Film „Into the wild“, der auf einer wahrheitsgetreuen Biographie basiert und Sie sicherlich auf die eine oder andere Weise berühren wird.

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