Autobiographie: Toni Summers persönlicher Weg zur Sinnfindung

Summer, T. (2017). Meaning and Fulfilment in Life. The Roles of Criticism, Self-Discovery and Autobiography. Journal of Philosophy of Life, 7(3), 391-405.

 

Die Forschung und Auseinandersetzung mit Sinnfindung kann eigene Überlegungen anregen oder bereichern. Tony Summer führt diesen Gedanken weiter, indem er seine eigene Biographie zum Forschungsgegenstand macht. Im hier besprochenen Essay beschreibt er seinen Prozess der Selbstfindung und lässt die Leser*innen Einblicke nehmen in private Erfahrungen und Erkenntnisse bei seiner ganz eigenen Suche nach dem Sinn.

Summer macht eine dreischrittige Überlegung zur Grundlage seiner Ausführungen. Dabei führt das Sich-selbst-kennen durch den vorangegangenen Prozess der Selbstfindung schließlich zur Selbsterfüllung welche er als eines der Kernelemente eines bedeutsamen Lebens ansieht.

Er beschreibt anhand seines eigenen Lebenslaufs, wie er zu diesen Überlegungen kam und wie er sie für sich selbst umsetzte. In seinen frühen Vierzigern stürzte er in eine Sinnkrise, in welcher er begann all seine Lebensbereiche zu hinterfragen und umzukrempeln. Er sah beispielsweise keinen Sinn mehr in seinem Beruf und beschreibt, nur wenige und bedeutungslose soziale Kontakte gehabt zu haben. Summer definierte sich selbst als heterosexuellen, masochistischen Transvestiten. Diese Neigung konnte er zwar mit wechselnden Partner*innen ausleben, fühlte sich aber dennoch leer und verloren und litt unter Ängsten und Depressionen. Diese Krise führte zu seinem Bedürfnis nach Reorientierung um wieder Erfüllung im Leben finden zu können. Er machte sich auf die Suche danach wer er ist und was seine eigentliche Natur ist. Das Wissen einer Person über sich selbst stellt für ihn die Grundlage für ein bedeutsames Leben dar. Während mehrerer Etappen und Rückschläge identifizierte er für sich vier Hauptzutaten: Ziele nach denen man strebt, Ziele welche man bereits erreicht hat, Interpersonelle Verbindungen und Erfüllung. Die ersten drei Punkte führen dazu, dass eine Verbindung entstehe zu etwas von Wert und zu etwas, das größer ist als man selbst, meint Summer weiter. Erfüllung hingegen werde erst möglich, indem eine Person ihre wahre Natur lebe.

Das dafür nötige Wissen über sich selbst werde erworben, indem die Person ihr Leben und ihre innersten Überzeugungen radikal und kritisch hinterfrage, meint der Autor. Die die daraus entstehenden Theorien sollen anschließend durch wiederholte Kritik gegen voreilige Schlüsse abgesichert und bei Bedarf verworfen werden.

Summer erkannte für sich, dass sein Bild von Männlichkeit und männlicher Sexualität seinen eigentlichen Wünschen und Bedürfnissen entgegensteht. Er verstand, dass er Überzeugungen seines Umfeldes unkritisch übernommen hatte, diese jedoch in seinem Inneren gar nicht teilte. Um sich selbst finden zu können, musste er sich von ihnen lösen und eigene Wege finden. Im Zuge dieser Entwicklung ergaben sich in allen Lebensbereichen immer wieder verschiedene Vorstellungen von passenden Lebensentwürfen, welche er ausprobierte und wieder verwarf, wenn er feststellte, dass sie für ihn nicht der richtige Zugang waren. Er machte beispielsweise die Erfahrung, dass eine rein hedonistische Herangehensweise, bei der Spaß und Erfolg im Vordergrund stehen für ihn langfristig nicht zu einem Gefühl der Erfüllung im Leben führen konnten.

Summer plädiert dafür, dass jede Person für sich selbst am besten entscheiden könne, welche Art zu leben für sie am erfüllendsten ist, indem sie ihre Ideen von einem erfüllten Leben probeweise umsetzt und deren Auswirkungen erfährt. Die wiederholte Kritik und damit das stetige Hinterfragen des eigenen Selbst sowie der eigenen Ideale und Ansichten sind einer der Kernpunkte von Summers Vorgehen. Dadurch erkannte er beispielsweise, dass er eigentlich nicht nur Masochist und Transvestit, sondern zudem homosexuell ist. Diese bisher verleugnete Persönlichkeitseigenschaft war der Grund dafür, dass er nie bedeutungsvolle Beziehungen führen konnte. Er konnte wahre Nähe nicht zulassen, da er zu Teilen seiner Persönlichkeit selbst keinen Zugang hatte. Durch diese Erkenntnis und die Bereitschaft sein Leben entsprechend zu verändern, kann er nun in seiner homosexuellen, sadomasochistischen Partnerschaft wahre Intimität und damit Erfüllung erleben, was ihm auch in anderen Lebensbereichen gelingt.

Die Verschriftlichung der verschiedenen Etappen, Theorien und umgesetzten Lebensentwürfe sei eine Möglichkeit sich ganz bewusst und strukturiert an den Prozess der Selbstfindung zu machen. Dies sei zudem schon das Grundgerüst für die Philosophische Autobiographie, die in einem weiteren Schritt daraus entstehen kann, meint der Autor.

Fazit

Dieser mutige, weil sehr ehrliche und offene Text, inspiriert dazu sein eigenes Leben und seine innersten Grundsätze zu beleuchten. Indem der Autor mehrmals erklärt, dass er schon viel eher ein bedeutungsvolleres und erfüllteres Leben hätte führen können, wenn er früher zu seiner eigenen Natur und Lebensweise gefunden hätte, entsteht der appellative Charakter des Textes, der dazu ermutigt sich mit der eigenen Lebensrealität kritisch auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung mit eignen Überzeugungen beim Prozess der Selbstfindung und die Verschriftlichung dieses Prozesses in Form einer philosophischen Autobiographie sind für ihn die nötigen Zutaten bei der Suche nach Erfüllung im Leben.

 

Zusammengefasst von Johanna Salger

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