Auf der Suche nach Sinn: Freiwillige vor

Nicole Ginzinger fasst zusammen, welche Dynamik Freiwilligenarbeit in unserem Leben entwickeln kann: Den größten Gefallen, den wir uns beizeiten tun können, ist, nicht die Erfüllung unserer eigenen Bedürfnisse im Blick zu haben!

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Posttraumatisches Wachstum und Sinnerleben – Sinnressourcen für die Traumatherapie

Paterno, D. (2012). Posttraumatisches Wachstum und Sinnerleben – Sinnressourcen für die Traumatherapie. Innsbruck: Unveröffentlichte Diplomarbeit.

Das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit belief sich auf eine Zusammenführung der klinischen Forschung und der Sinnforschung. Im Fokus stand folgende Fragestellung: „Unterscheiden sich traumatisierte Menschen mit posttraumatischem Wachstum in ihrem Sinnerleben und ihren Persönlichkeitseigenschaften von jenen ohne posttraumatisches Wachstum?“.

Um diese Fragestellung zu überprüfen, wurden einer klinischen Stichprobe von rund 70 TraumapatientInnen der ‚Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn’ (LeBe, Schnell & Becker, 2007), das ‚Posttraumatic Growth Inventory’ (PTGI, deutsche Version von Maercker & Langner, 2001) und das ‚Big Five Inventory’ (BFI-10, deutsche Version von Rammstedt & John, 2007) zur Beantwortung ausgehändigt.

Die Ergebnisse zeigen zusammenfassend, dass vor allem die Lebensbedeutungen ‚Gemeinschaft’, ‚Bewusstes Erleben’, ‚Soziales Engagement’, und ‚Gesundheit’ eine zentrale Rolle für Menschen mit posttraumatischem Wachstum spielen, da sie ihnen einen höheren Stellenwert beimessen. Die Verwirklichung dieser Sinnquellen trägt am besten zur Vorhersage von posttraumatischem Wachstum bei. Das Sinnerleben von Menschen mit posttraumatischem Wachstum lässt sich durch ein erfülltes Leben, bedeutungsvolles Handeln, eine Lebensaufgabe, ein Selbstverständnis als Teil eines größeren Ganzen und den Glauben an einen tieferen Lebenssinn beschreiben. Im Vergleich dazu zeigen Menschen ohne posttraumatisches Wachstum vermehrt Merkmale wie Sinnlosigkeit, Empfindung von Leere oder erfolglose Suche nach Sinn.

Bezug nehmend auf die Persönlichkeitseigenschaften wird ersichtlich, dass Menschen, die posttraumatisches Wachstum erleben, auch als extravertierter beschrieben werden können als jene Traumatisierten ohne posttraumatisches Wachstum. Die Persönlichkeitseigenschaft Offenheit ist lediglich bei Frauen mit posttraumatischem Wachstum höher ausgeprägt.

Um die praktische Relevanz der Sinnressourcen für die Traumatherapie zu verdeutlichen, sei an dieser Stelle auf die möglichen psychotherapeutischen Interventionstechniken hingewiesen, die sich aus den gewonnen Erkenntnisse ableiten lassen. Beispielsweise würden sich das ‚Soziale Kompetenztraining’ sowie die Technik der ‚Achtsamkeit’ für die Phase der Integration und Neuorientierung innerhalb der Traumatherapie eignen. Jene Behandlungsphase ist durch die Ressourcen(re-)aktivierung gekennzeichnet und ermöglicht Traumatisierten einen geschützten Rahmen für ihren persönlichen Wiederaufbau von erschütterten Annahmen über sich selbst und die Welt.

Hier können Sie die gesamte Arbeit als pdf herunterladen. Zitieren Sie bitte nach obenstehender Angabe.

Unterschiede in der Sinnstiftung

Erhöht sich das Sinnerleben einer Person mit der Anzahl an Sinnquellen, auf die sie zurückgreift? Geht es hierbei nur um die Menge der Sinnquellen, oder hängt es auch davon ab, um welche Sinnquellen es sich handelt? Sind manche Sinnquellen besser als andere, einen Beitrag zum allgemeinen Sinnerleben zu leisten?

Um sich Klarheit über diese Fragen zu verschaffen, wurde in einer Studie von Tatjana Schnell (2011) der Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe) (Schnell & Becker, 2007) eingesetzt. Er misst 26 Lebensbedeutungen, Sinnerfüllung und Sinnkrise.

Die 26 Lebensbedeutungen lassen sich in fünf Dimensionen unterteilen:

In der Studie wurden 603 Deutsche befragt und deren Sinnerfüllung und Lebensbedeutungen an Hand des LeBe erhoben. Mit diesen Daten konnten folgende Ergebnisse gewonnen werden:

Sind manche Sinnquellen bedeutender für das Sinnerleben als andere?

Die Ergebnisse der Studie zeigen zum einen, dass alle 26 Sinnquellen einen positiven Zusammenhang mit Sinnerleben aufweisen. Generativität, gefolgt von Bewusstem Erleben und Harmonie belegen dabei die Plätze eins bis drei. Das heißt, je höher eine der drei Lebensbedeutungen ist, desto höher das Sinnerleben. Beispielsweise steigt das Sinnerleben stark an, wenn die Generativität zunimmt. Somit hat nicht jede Sinnquelle das gleiche Potential hinsichtlich ihres Beitrages zur Sinnstiftung.

Generativität: Menschen erleben es als sehr bedeutsam, Dinge zu tun oder schaffen, die Auswirkungen über ihr eigenes Leben hinaus haben. Dies sind Dinge mit bleibendem Wert, auch für nachfolgende Generationen.

Gibt es nun Sinnquellen, mit denen man Sinnerleben vorhersagen kann? In der Studie ergaben sich acht Sinnquellen, die am wahrscheinlichsten zu Sinnerleben führen:

  • Generativität (Dimension: horizontale Selbsttranszendenz)
  • Harmonie (Dimension: Wir- und Wohlgefühl)
  • Explizite Religiosität (Dimension: vertikale Selbsttranszendenz)
  • Macht (Dimension: Selbstverwirklichung)
  • Bodenständigkeit (Dimension: Ordnung)
  • Spiritualität (Dimension: vertikale Selbsttranszendenz)
  • Entwicklung (Dimension: Selbstverwirklichung)
  • Kreativität (Dimension: Selbstverwirklichung)

Man kann erkennen, dass in den acht genannten Lebensbedeutungen alle fünf Dimensionen vertreten sind. Demzufolge sind alle Dimensionen relevant für das Sinnerleben.

Führt eine höhere Anzahl an Sinnquellen zu höherem Sinnerleben?

In der Studie ergab sich, dass 17% der Personen keine Sinnquelle nennen, die für sie persönlich relevant ist. 14% dagegen greifen auf eine Sinnquelle zurück, 53% auf zwei bis acht und die restlichen 14% auf neun oder mehr.

Entscheidend ist jedoch, dass mehr Sinnquellen zu einem höheren Sinnerleben führen. Bei weniger als 5 Sinnquellen steigt das Sinnerleben mit jeder zusätzlichen Sinnquelle stark an. Mit zusätzlichen Sinnquellen erhöht sich das Sinnerleben dagegen nur noch leicht.

Was für eine Rolle spielen die Dimensionen beim Sinnerleben?

Neben der Anzahl der Sinnquellen ist es von Bedeutung, auf wie viele Dimensionen die Sinnquellen verteilt sind. Je mehr Dimensionen durch Lebensbedeutungen vertreten sind, desto höher ist das Sinnerleben. Speziell zwischen zwei und drei Dimensionen steigt das Sinnerleben stark an. Es ist also wichtig, Lebensbedeutungen in verschiedenen Bereichen zu haben. Und mehrere Dimensionen schaffen eine breite Basis an Sinnquellen.

Letztendlich haben sowohl Lebensbedeutungen, als auch Dimensionen, einen Einfluss auf das Sinnerleben. Die alleinige Anzahl der Sinnquellen reicht nicht aus, da auch deren Vielfalt miteinbezogen werden muss. Die Lebensbedeutungen sollten möglichst alle fünf Dimensionen umfassen, um das Sinnerleben zu steigern.

Fazit:

Um seinen persönlichen Lebenssinn zu steigern, kann zum einen die Anzahl der Lebensbedeutungen, als auch die Qualität als zu ändernde Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Mit Qualität sind die Vielfältigkeit der Sinnquellen und die Höhe ihres Beitrags zum persönlichen Lebenssinn gemeint. Für mich bedeutet das, dass eine gewisse Anzahl an Sinnquellen eine Voraussetzung ist, um Sinn zu erleben. Viel wichtiger ist jedoch, dass diese Sinnquellen letztendlich vielfältig sind. Versuchen Sie bei der Suche nach Ihren persönlichen Sinnquellen, diese in möglichst unterschiedlichen Bereichen zu finden.

Jessica Färber

Schnell, T. (2011). Individual differences in meaning-making: Considering the variety of sources of meaning, their density and diversity. Personality and Individual Differences, 51(5), 667-673.

Neugier und Lebenssinn

Neugier ist – wie die Wissenschaftler Todd B. Kashdan und Michael F. Steger mittels einer Studie zeigen konnten – ein wichtiges Element für das Empfinden von Lebenssinn und Wohlbefinden. Zu dieser Erkenntnis gelangten die beiden amerikanischen Forscher, indem sie 97 College-Studierende befragten.

Den Forschern zufolge bedeutet Neugier, „nach neuen, komplexen und herausfordernden Interaktionen mit der Welt Ausschau zu halten und Gewinn daraus zu ziehen“. Neugier unterscheidet sich von anderen positiven Emotionen (z.B. Freude) durch den Fokus auf Wachstum und Erweiterung.

Genuss-orientierte Aktivitäten sind hingegen durch die Betonung von Vertrautheit, Einfachheit und Stabilität gekennzeichnet. Ein Beispiel: Es ist die Neugier, die uns in einem Restaurant dazu bringt, neuartige Speisen auszuprobieren; hingegen führt uns der Genuss dazu, das zu essen, von dem wir bereits wissen, dass es uns gut schmeckt.

Bisherigen Studien zufolge erleichtert der Hang zur Neugier unter anderem Aktivitäten des Lernens und der Selbstbestimmung, was dauerhaftes Wohlbefinden und Sinnerfüllung zur Folge haben kann.

Im Sinne einer permanent vorhandenen Charaktereigenschaft hat Neugier viele Vorteile, die dadurch zustande kommen, dass neugierige Menschen

  • eher nach Aktivitäten suchen, durch die sie ihre Fähigkeiten und Potenziale weiterentwickeln können und
  • neuartige, komplexe Aktivitäten mit ungewissem Ausgang eher suchen, als sie zu vermeiden.[1]

Neugier kann dazu führen, dass das Gefühl von Lebenssinn stärker präsent wird; außerdem zeichnen sich neugierige Menschen dadurch aus, dass stärker aktiv nach Lebenssinn gesucht wird. Dieses Gefühl von Lebenssinn hält nicht nur eine kurze Zeit an, im Gegensatz zu dem bloßen Gefühl von Freude, das nur für einen Moment belohnend wirkt. Vielmehr konnten die Autoren zeigen, dass ein Gefühl von Lebenssinn, wenn es aus Neugier heraus entsteht, mindestens bis zum nächsten Tag andauert.

Methode

Um herauszufinden, ob sich neugierige Menschen tatsächlich besser oder gar sinnerfüllter fühlen, untersuchten die beiden Forscher 97 College-Studierende.  Von diesen Personen erhoben sie, wie neugierig sie denn sind – Neugier ist hier im Sinne einer Charaktereigenschaft, als überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal, gemeint. Zusätzlich zu dieser Messung von Neugier als Persönlichkeitsmerkmal (erfragt durch einen Fragebogen zu Beginn der Studie) erfassten Kashdan und Steger von jeder einzelnen Person Neugier als aktuellen Zustand, der sich – je nach Situation – von Tag zu Tag verändern kann. Hierbei sollten die Studierenden für die Dauer von drei Wochen jeden Abend beschreiben, wie neugierig sie sich den vergangenen Tag über fühlten.

Zusätzlich wurde jeden Abend erfasst, mit welcher Art von Beschäftigungen sich die Studierenden den Tag über befassten: Es wurde unterschieden zwischen

  1. wachstumsorientiertem Verhalten [2] (z.B. „jemandem Dankbarkeit ausdrücken“, „jemandem etwas anvertrauen“, „Ziele verfolgen“, „über Ziele klarwerden“) und
  2. hedonistischem Verhalten (z.B. „sich betrinken“, „Essen nur des Geschmacks wegen“).

Weiterhin erfasst wurden

  • täglicher Lebenssinn und Lebenszufriedenheit (z.B. „Wie sinnvoll fühlt sich dein Leben an?“),
  • tägliches Vergnügen (Essen / sexuelle Aktivität) und
  • die tägliche Gefühlslage.

Ergebnisse im Detail

1.) Welche Auswirkungen hat Neugier als – momentaner – Zustand? An Tagen, an denen sich die Studierenden neugierig fühlten,

  • verspürten sie einen größeren Lebenssinn, wobei dieses Gefühl mindestens bis in den nächsten Tag hinein andauerte.

Diese positive Wirkung von Neugier als Zustand zeigte sich bei den Studierenden unabhängig davon, ob sie an sich neugierige Charaktere waren.

2.) Welche Auswirkungen hat Neugier als – permanente – Charaktereigenschaft? Diejenigen Studierenden, die Neugier als Charaktereigenschaft besaßen,

  • nahmen eine größere Lebenszufriedenheit wahr,
  • zeigten gleichzeitig auch mehr wachstumsorientiertes Verhalten und
  • verspürten einen größeren Lebenssinn.

Die Verbindung zwischen Neugier als Charaktereigenschaft und Neugier als Zustand ist komplex und spielt als zusätzlicher Faktor eine Rolle: Permanent neugierige Charaktere erleben häufiger Neugier im Sinne eines Zustandes und damit einhergehend öfter Sinn. Umgekehrt scheint Sinnerfüllung an sich keine Neugier hervorzurufen.

Fazit

Die Autoren zeigen somit, dass sowohl Neugier als Charaktereigenschaft als auch Neugier als Zustand einen möglichen Weg zur Sinnerfüllung und Lebenszufriedenheit aufzeigen. Dieser Weg wird durch Aktivitäten beschritten, die mit Wachstum verbunden sind. Solche Handlungen sind zum Beispiel der Ausdruck von Dankbarkeit oder Zielverfolgung. Auch Hedonistische Verhaltensweisen werden öfter von neugierigen Menschen gezeigt als von solchen, die nicht neugierig sind; allerdings können diese Aktivitäten im Gegensatz zu wachstumsorientierten Verhaltensweisen nicht zu einem andauernden Gefühl von Sinnerfüllung führen.

Also: Probieren Sie doch einmal etwas Neues aus! Vielleicht fällt ja beim nächsten Essengehen die Wahl nicht auf das althergebrachte Schnitzel mit Pommes – oder auf ein anderes Gericht, das Ihnen zwar schmeckt, aber schon lange nichts Besonderes mehr ist. Es könnte Sie vielleicht zu einem anhaltend neugierigen Menschen machen – und das nützt Ihnen mehr, als nur einen vollen Bauch zu haben.

Zusammengefasst von: Sebastian Roth

Original-Artikel:

Kashdan, T. B., & Steger, M. F. (2007). Curiosity and pathways to well-being and meaning in life: Traits, states, and everyday behaviors. Motivation And Emotion, 31(3), 159-173.


[1] Die Vermeidung von neuartigen Situationen gibt zwar einerseits Sicherheit, führt andererseits aber dazu, dass man es bereut, eine vielversprechende Gelegenheit verpasst zu haben.

[2] im Sinne von persönlichem (inneren) Wachstum bzw. Wachstum bezogen auf Beziehungen

Diversity und Sinn im Beruf. Über den Zusammenhang von Diversity-Klima, soziomoralischem Klima, Arbeitsengagement und Sinnerleben im Beruf

Schönherr, A. (2011). Diversity und Sinn im Beruf. Über den Zusammenhang von Diversity-Klima, soziomoralischem Klima, Arbeitsengagement und Sinnerleben im Beruf. Innsbruck: Unveröffentlichte Diplomarbeit.

Ausschlaggebend für die Formulierung der Forschungsfragen in dieser Diplomarbeit war der Aufsatz „Mühe der Ebene. Kritisches Diversity Management“ von Nadja Schefzig. Aus der Diversity-Management-Perspektive heraus werden unterschiedliche Eigenschaften und Zugehörigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vormals als Mangel und Nachteil galten, als Bereicherung wertgeschätzt. Ziel von Diversity-Management ist demnach, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die durch ein Klima der Toleranz, Fairness und Wertschätzung der Vielfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geprägt ist. Ein zentrales Interesse in dieser Arbeit liegt in der Frage: „Hängt ein solches durch eine Diversity-Kultur geprägtes Klima mit Sinnerleben im Beruf zusammen?“ Des Weiteren sollen die Beziehungen zwischen Arbeitsengagement und beruflicher Sinnerfüllung sowie Berufsbedeutungen als Quellen für Sinnerfüllung im Beruf und Arbeitsengagement weiter erforscht werden. Berufsbedeutungen sind auf den beruflichen Kontext übertragene Lebensbedeutungen (Fragebogen zu Lebenssinn und Lebensbedeutungen, Schnell & Becker, 2007) und lassen sich als im Beruf zu verwirklichende, sinnstiftende Werte/Bedeutungen beschreiben.

Um ein Diversity-Klima in Unternehmen erheben zu können, musste eigens eine Diversity-Klima-Skala entwickelt werden. Zusätzlich wurde das soziomoralische Klima (Weber et al., 2009) als wichtige Ressource für berufliche Sinnerfüllung erhoben. An der Datenerhebung (N=103) nahmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Unternehmens aus der Automobilbranche teil.

Die Auswertung der Daten zeigt deutlich, dass ein durch Toleranz, Wertschätzung und eine offene, Kommunikationskultur geprägtes Klima positiv mit beruflichem Sinnerleben und dem Arbeitsengagement der ArbeitnehmerInnen zusammenhängt. Statistische Analysen zeigen auch, dass der Einfluss des Diversity-Klimas auf das Arbeitsengagement und die berufliche Sinnerfüllung über das soziomoralische Klima mediiert wird. Das bedeutet, dass eine positive Wirkung einer Diversity-Kultur für die MitarbeiterInnen nur dann zum Tragen kommt, wenn grundsätzlich ein durch Wertschätzung und eine offene, partizipative Kommunikationskultur geprägtes Klima (=soziomoralisches Klima) vorherrscht.

Der gefundene enge Zusammenhang zwischen Work Engagement und Sinnerfüllung im Beruf stimmt mit bereits von May et al. (2004) und Höge & Schnell (2012) berichteten Ergebnissen überein und bestätigt, dass beide Konstrukte ähnliche Aspekte der Wahrnehmung des vom Individuum ausgeübten Berufes erfassen. Eine wichtige Erkenntnis dieser Studie ist, dass Berufsbedeutungen nicht nur zur Vorhersage von beruflicher Sinnerfüllung, sondern auch zur Vorhersage von Work Engagement beitragen. Harmonie am Arbeitsplatz erweist sich in dieser Stichprobe als wichtigste Quelle für berufliche Sinnerfüllung und Engagement. Das Festhalten an Traditionen und starren Strukturen aber auch das Streben nach Freiheit stehen im untersuchten Unternehmen in einem negativen Zusammenhang mit Sinnerfüllung und Arbeitsengagement.

(Hier können Sie die gesamt Arbeit als pdf-Datei downloaden. Zitieren Sie sie bitte nach den Angaben in der Zusammenfassung.)

Sinnerfüllung als zwischenmenschliche Anziehungskraft?

Stillman, T. F., Lambert, N. M., Fincham, F. D. & Baumeister, R. F. (2011). Meaning as Magnetic Force: Evidence That Meaning in Life Promotes Interpersonal Appeal. Social Psychological and Personality Science, 2 (1), 13-20.

Hat die Suche nach dem Lebenssinn Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen? Sind sinnerfüllte Menschen anziehendere Gesprächs- und Handlungspartner?

Diese Fragen stellten sich die Autoren in ihren beiden Studien. Inspiriert dazu hat sie einerseits die Erkenntnis aus verschiedenen Untersuchungen, dass zwischenmenschliche Beziehungen Lebenssinn fördern bzw. eine wesentliche Quelle für Sinnerfüllung darstellen. Somit wäre es denkbar, dass umgekehrt auch der Lebensinn Einfluss auf die zwischenmenschlichen Beziehungen ausübt. Andererseits haben Menschen nach Viktor Frankl ein tief verwurzeltes Bedürfnis Sinn im Leben zu finden. Daraus könnte man ableiten, dass Personen unter Umständen eher nach Beziehungen mit sinnerfüllten Menschen streben, um dadurch zumindest teilweise ihr Bedürfnis Sinn zu finden zu befriedigen.

Studie 1

In der ersten Studie wurden die Selbsteinschätzungen von 70 Studierenden zu Lebenssinn und Selbstwert mittels zwei verschiedener Fragebögen erhoben. Zusätzlich sollten sie mit einem Freund eine fünf minütige Diskussion über ihre Beziehung führen, welche unauffällig gefilmt wurde. Die Interaktion wurde anschließend von fünf trainierten Beurteilern hinsichtlich folgender Frage eingeschätzt: Wie gern würden Sie mit dieser Person befreundet sein? (von 1 – überhaupt nicht bis 5 – sehr gern)

Ergebnis:

  • Diejenigen Studenten, die hohe Werte im Lebenssinn-Fragebogen erreichten, wurden als potentielle Freunde attraktiver eingeschätzt.
  • Die Werte des Selbstwert-Fragebogens hatten hingegen keinen Einfluss auf die zwischenmenschliche Anziehung.

Das heißt also, dass wir uns nicht unbedingt mit jenen befreunden wollen, die gut über sich selbst denken und dadurch hohen Selbstwert genießen, sondern dass vor allem sinnerfüllte Menschen anziehend auf uns wirken.

Studie 2

Da eine Reihe anderer Faktoren einen Einfluss auf die zwischenmenschliche Anziehung haben könnte, die Studierenden in der ersten Studie nur hinsichtlich einer Fragestellung beurteilt wurden und Menschen im Alltag fremde Personen innerhalb von wenigen Sekunden bewerten, die Beurteiler hier jedoch 5 Minuten Zeit hatten, führten die Autoren eine zweite Studie durch.

In dieser Untersuchung sollten sich 72 Studierende hinsichtlich Lebenssinn, Religiosität, Glück und Extravertiertheit in den jeweiligen Fragebögen selbst einschätzen. Anschließend wurden sie gebeten, sich 10 Sekunden lang vor laufender Kamera selbst vorzustellen (Name, Hobbys,…). Elf trainierte Beurteiler bewerteten (von 1 – überhaupt nicht bis 7 – sehr) die Selbstvorstellungen hinsichtlich 4 Dimensionen:

  1. Wie sympathisch ist die Person?
  2. Wie gern würden Sie mit der Person befreundet sein?
  3. Wie sehr würden Sie eine Unterhaltung mit der Person genießen?
  4. Wie sinnerfüllt, glauben Sie, ist das Leben der Person?

Zusätzlich wurden vier andere Beurteiler gebeten, die körperliche Attraktivität der Studienteilnehmer einzuschätzen (von 1 – überhaupt nicht attraktiv bis 7 – extrem attraktiv).

Ergebnis:

  • Teilnehmer, die höhere Werte im Lebenssinn-Fragebogen aufwiesen, wurden als sympathischer beurteilt sowie als Freunde und Gesprächspartner bevorzugt. Höhere Ausprägung der Sinnerfüllung hing mit höherer zwischenmenschlicher Anziehung zusammen. ABER:
    • Diesen Zusammenhang konnte man nur bei Studierenden mit geringer oder mittlerer Attraktivität feststellen. Bei sehr attraktiven Teilnehmern hatte die Sinnerfüllung keinen Effekt auf die zwischenmenschliche Anziehung.
    • Mögliche Erklärung: Da attraktive Personen bereits sehr anziehend sind, steigert die Sinnerfüllung diese Anziehung nicht zusätzlich.
  • Die Selbsteinschätzungen von Glück und Religiosität zeigten keinen Zusammenhang, aber Extravertiertheit wies einen positiven Zusammenhang mit zwischenmenschlicher Anziehung auf.
  • Körperliche Attraktivität hatte die größte Vorhersagekraft für zwischenmenschliche Anziehung, d.h. körperlich attraktive Menschen werden generell anziehender wahrgenommen.
  • Ein sinnerfülltes Leben hat also nicht nur Auswirkungen auf uns selbst, sondern hilft uns auch, neue Bekanntschaften zu schließen. Somit stellt sich für mich die Frage, ob nicht für viele von Schönheitsidealen geplagten Menschen die Sinnsuche eine befriedigendere Alternative zur vergänglichen Unterstützung der plastischen Chirurgie wäre.

    Zusammengefasst von Melanie Oberleitner

Erhöhung des Lebenssinns bei fortgeschrittenem Eierstockkrebs mittels Meaning-Making Intervention

Henry, M., Cohen, R. S., Lee, V., Sauthier, P., Provencher, D., Drouin, P., et al. (2010). The Meaning-Making intervention (MMi) appears to increase meaning in life in advanced ovarian cancer: a randomized controlled pilot study. Psycho-Oncology (19), 1340-1347.

(Anmerkung: MMi ist eine sinnstiftende Intervention)

Reduziert der zusätzliche Einsatz der Meaning-Making Intervention zu der üblichen Behandlung das Level der existentiellen Not von kürzlich diagnostizierten fortgeschrittenen Eierstockkrebspatientinnen? Kann dadurch Depression und Angst verringert, Selbstwirksamkeit erhöht und die Lebensqualität verbessert werden?

Die Meaning-Making Intervention ist ein therapeutischer Ansatz, der entworfen wurde, um die Suche nach dem Lebenssinn in Folge einer Krebsdiagnose zu unterstützen. Sie zeichnet sich vor allem durch eine kurze, individualisierte und strukturierte Anwendung aus. Die MMi besteht meist aus 1-4 Sitzungen à 30-90 Minuten, wobei sie bezüglich Anzahl, Länge und Ort auf die psychologische und physiologische Verfassung des Patienten abgestimmt werden kann. Der Therapeut führt den Patienten durch die drei Hauptaufgaben der MMi:

  1. Was sind die Auswirkungen, was bedeutet die Krebsdiagnose für mich?
  2. Wie habe ich früher schwierige Lebensereignisse erfolgreich bewältigt? Wie könnte mir das in der jetzigen Situation helfen?
  3. Was sind meine Prioritäten im Leben? Wie könnte ich meine Ziele verändern, um dem Leben trotz krankheitsbedingter Einschränkungen einen Sinn zu geben?

Viele Krebspatienten denken über lebensprägende Ereignisse in der Vergangenheit, Gegenwart und über mögliche Ereignisse in der Zukunft nach.

Resilienz ist die Fähigkeit, auf wechselnde Lebenssituationen flexibel zu reagieren und stressreiche, frustrierende, schwierige und belastende Lebenssituationen ohne schwere psychische Schädigungen meistern zu können.

Selbstreflexion kann dabei die Anpassung an Krebs unterstützen, die Resilienz fördern und dazu führen, dass Patienten durch ihre Krankheit lernen, das Leben erfüllender wahrnehmen und ihre Werte, Prioritäten und Ziele neu überdenken. Umgekehrt kann das Fehlen von Sinn oder eine pessimistische Haltung zu Verzweiflung und Entmutigung führen. Deshalb bieten verschiedene therapeutische Interventionen eine unterstützende Umgebung an, um sich mit den existentiellen und/oder spirituellen Fragen des Lebens mit der Krankheit auseinanderzusetzen.

Um die Auswirkungen der Intervention zu untersuchen, wurden 24 Patientinnen mit der innerhalb der letzten zwei Monate gestellten Diagnose Eierstockkrebs im Stadium III oder IV, per Zufall zu Experimentalgruppe, bei denen zusätzlich zur üblichen Behandlung die MMi eingesetzt wurde, und Kontrollgruppe, die keine MMi erhielten, zugeordnet. Zu drei verschiedenen Zeitpunkten (vor der Intervention, einen Monat nach der Intervention und drei Monate nach der Intervention) wurden Lebenssinn, Lebensqualität, Angst, Depression und Selbstwirksamkeit mittels Fragebögen erhoben. Zusätzlich wurden die Patienten in der Experimentalgruppe gebeten, ein Feedback zu ihren Erfahrungen mit der Therapie abzugeben.

Die Ergebnisse der Studie zeigen eine deutliche Erhöhung des Lebenssinns in der Experimentalgruppe. Weiters weisen sie sowohl auf eine verbesserte allgemeine Lebensqualität und auf höheres existentielles Wohlbefinden, als auch auf ein geringeres Level von Angst und Depression hin. Alle Teilnehmer der Experimentalgruppe, die bereit waren, ein Feedback abzugeben, beschrieben die Therapie als eine positive Erfahrung, die sie als nützlich empfanden und sie gaben einstimmig an, dass sie die MMi anderen Krebspatienten weiterempfehlen würden.

Fazit:

  1. Auch in Situationen, in denen es scheint, als ob man seine Perspektive verliert, gibt es Möglichkeiten Sinn zu finden bzw. den vorhandenen Lebenssinn zu erhöhen.
  2. Krankheit bedeutet mehr, als dass ein rein körperliches Problem vorliegt. Patienten wünschen sich deshalb, dass ihre Ärzte dies zunehmend anerkennen und verstärkt die individuellen Bedürfnisse des Menschen und seine Ganzheit berücksichtigen.

Zusammengefasst von Melanie Oberleitner

Nostalgie als Quelle des Sinnerlebens

Wie die Erinnerungen an unsere persönliche Vergangenheit „Sinn machen“

Was bedeutet es für Sie über Ihre Vergangenheit nachdenken zu können? Wie wäre es wohl, wenn Sie keine persönliche Geschichte hätten, die Ihnen Ihre soziale Eingebundenheit in Erinnerung hielte? Keine Symbole, die Ihnen Ihre vergangenen Erlebnissen nahe brächten?

Nun, die Idee der hier beschriebenen Studie war, das Sinnerleben unter dem Aspekt unserer Fähigkeit zum Denken über vergangene Erlebnisse zu untersuchen. Nostalgische Erinnerungen an unsere Vergangenheit könnten eine Quelle für das Empfinden von Sinn sein. Wird uns unsere existentielle Vergänglichkeit bewusst, blicken wir gerne auf unsere hinterlassenen Spuren zurück.War man früher der Meinung, das Schwelgen in nostalgischen Erinnerungen hätte einen krankhaften Charakter, so betrachtet man dieses heute unter einer anderen Perspektive. Denn das sehnsüchtige Erinnern an vergangene Lebensmomente dürfte positiv für das psychische Wohlbefinden sein. Bestehende Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass

das Fühlen von Nostalgie eine soziale Emotion ist und, dass die sozialen Beziehungen eines Menschen wichtig für das Erleben von Sinn sind. Deshalb kommt dem Glauben ein Teil eines größeren sowie bedeutungsvolleren Ganzen zu sein eine wichtige Rolle zur psychischen Entlastung zu. Die aus den persönlich wertvollen Erinnerungen entstehende Nostalgie könnte ein Weg sein, dem Leben einen Sinn zu verleihen. Auch wenn das Erleben von Nostalgie auf das Selbst bezogen ist, sind die bedeutsamen Erinnerungen meist Erlebnisse mit sozialem Charakter (Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, etc.). Ist es die Wahrnehmung sozialer Verbundenheit, die das Nostalgieerleben so bedeutend für uns macht?

Der Grundidee der Forscher bestand nun darin, dass nostalgische Gedanken das Leben mit Sinn erfüllen könnten. Um ihre Annahme zu testen konzipierten sie eine Reihe von Untersuchungen. Dabei beeinflussten sie das Nostalgieerleben ihrer ProbandInnen, um dessen Effekte untersuchen zu können. Eine der verwendeten Methoden macht sich die Wirkung des Hörens und Erinnerns von Musikstücken zunutze. Denn häufig ist Musik ein Träger persönlicher Erinnerungen und kann nostalgische Momente erzeugen. Die ProbandInnen, die daraufhin angaben sich nostalgisch zu fühlen, empfanden sich als geliebt und meinten, dass das Leben wert wäre gelebt zu werden. Die empfundene soziale Verbundenheit (geliebt zu werden) führte zum Erleben von Sinn.

Nun wandten sich die Forscher der Frage zu, ob Nostalgie hilft mit Situationen umzugehen, die den Lebenssinn bedrohen. So konfrontierten sie eine Gruppe von ProbandInnen mit einem Essay dessen Kerngedanke von der Sinnlosigkeit, der Unwichtigkeit der menschlichen Existenz handelt. Während dieses Essay den Sinn des Lebens infrage stellte, bekam eine weitere Gruppe ein Essay ohne bedrohlichen Inhalt zu lesen. Es waren nun die ProbandInnen der bedrohlichen Bedingung, die angaben sich nostalgisch zu fühlen. Dies bestätigte die Vermutung der Forscher: Wird die Vorstellung von der Sinnhaftigkeit des Lebens gefährdet, wenden sich Menschen der Nostalgie zu.

Wurden die Teilnehmer vor dem Lesen der Essays in nostalgische Stimmung versetzt, so werteten sie das Essay und dessen Autor nicht so stark ab, wie es die Teilnehmer taten, die sich in gewöhnlicher Stimmung befanden. Es scheint, als wäre ihre abwertende Haltung eine Abwehr der Bedrohung, indem die Glaubwürdigkeit der Quelle infrage gestellt wurde. Die „nostalgischen“ ProbandInnen scheinen aufgrund ihrer wertvollen Erinnerungen weniger defensiv reagieren zu müssen, um die Infragestellung des Lebenssinns durch das Essay entschärfen zu können.

Die beiden letzten Untersuchungen, die hier nicht beschrieben wurden, deuten sogar darauf hin, dass nostalgische Erinnerungen einen therapeutischen Zweck erfüllen können. So können sie vorteilhaft für das Wohlbefinden sein und positiv auf den Umgang mit stressigen Situationen wirken.

Ach, die guten alten Zeiten“ – Wem kommt dieser Gedanke nicht von Zeit zu Zeit in den Sinn?

Zusammengefasst von Daniel Purtscheller

Quelle: Routledge, C., Arndt, J., Wildschut, T., Sedikides, C., Hart, C. M., Juhl, J., Vingerhoets, Ad J. J. M. & Schlotz, W. (2011) The Past Makes the Present Meaningful: Nostalgia as an Existential Resource. Journal of Personality and Social Psychology, 101 (3), 638-652.

Das Geheimnis der Sinnstiftung? Leidenschaft und Engagement – vor allem für andere

Schnell, T. (2011). Individual differences in meaning-making: Considering the variety of sources of meaning, their density and diversity. Personality and Individual Differences, 51(5), 667-673. (doi:10.1016/j.paid.2011.06.006)

Wir orientieren uns im Leben an ganz verschiedenen Dingen: am eigenen Vorankommen, am Erhalt von Freundschaften, an Fairness, Freiheit oder Liebe… Aber was macht ein sinnvolles Leben aus? In der vorliegenden Studie wurde ein umfangreicher Katalog von Sinnquellen (= 26 Lebensbedeutungen) auf diese Frage hin analysiert. Die Ergebnisse sind überraschend deutlich. Sinn wird gefördert durch…

1. Aktive Teilhabe am Leben: Position beziehen; sich engagieren; leidenschaftlich für das eintreten, was uns wichtig ist

2. Dabei ist es sinn-produktiv, wenn wir uns für verschiedene Dinge einsetzen (nicht nur für sich selbst, aber auch nicht nur für andere): Ausgewogenheit und Vielfalt zählen

3. Als wichtigste Sinnquelle von allen hat sich Generativität erwiesen: etwas von bleibendem Wert tun oder schaffen, sich den kommenden Generationen und der Menschheit im allgemeinen verpflichtet fühlen – und danach handeln!

Über den Zusammenhang von Persönlichkeitsmerkmalen, Sinnerfüllung, Arbeitsengagement und Wohlbefinden.

Diplomarbeit von Edith Pollet

Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit Sinnerfüllung im beruflichen Kontext. Ausgangspunkt des Forschungsinteresses war die Untersuchung von May, Gilson und Harter (2004), in der empirisch festgestellt wurde, dass Sinnerleben im Beruf einen starken Zusammenhang mit Arbeitsengagement aufweist. Vor allem aus Sicht der differentiellen Psychologie wird der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen berufliche Sinnerfüllung erlebt werden kann, und in welchem Zusammenhang diese Variable mit Arbeitsengagement und Wohlbefinden steht.

Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurden in einer Stichprobe von 197 Personen, Arbeitsbelastungen, Arbeitsressourcen, verschiedene Persönlichkeitsmerkmale, Sinnerfüllung, Arbeitsengagement und Wohlbefinden erhoben.

Die Bedeutung von Sinnerfüllung für das Arbeitsengagement konnte bestätigt werden. Auch der vor allem von V. Frankl postulierte positive Einfluss von Sinnerfüllung auf das Wohlbefinden wird von den Ergebnissen unterstützt.

Die Resultate der Korrelations- und Regressionsberechnungen weisen darauf hin, dass Sinnerfüllung im Beruf sowie Arbeitsengagement sowohl durch Merkmale der Arbeitssituation als auch durch Persönlichkeitsmerkmale beeinflusst werden. Als personale Ressourcen für das Sinnerleben konnten vor allem die emotionale Stabilität, die soziale Verträglichkeit und die Selbstwirksamkeitserwartung identifiziert werden. Auch Hollands Theorie beruflicher Interessen konnte erfolgreich mit Sinnerfüllung und Arbeitsengagement in Verbindung gebracht werden.

Im Vorwort des Buches von Hänsel und Matzenauer (2009) ist zu lesen: „In Zeiten der globalisierten Wirtschaft wird zunehmend suggeriert, man könne froh sein, einen regulären Arbeitsplatz zu haben, nach Sinn zu fragen scheint da übertriebener Luxus.“

Aufgrund der dargestellten Bedeutung von Sinnerfüllung für das Wohlbefinden und das Arbeitsengagement relativiert sich dieser „Luxus“. Es ist nicht nur für den Mitarbeiter förderlich wenn er Sinnerfüllung im Beruf lebt, sondern aufgrund des Zusammenhangs mit Arbeitsengagement und Wohlbefinden, profitiert auch das Unternehmen davon.

Existentielle Indifferenz: Die lebensverändernde Kolumne im Guardian…

Oliver Burkeman mit einer britischen Auslegung von Existentieller Indifferenz:

Solange es so viele gibt, die sich nicht einmal die Frage nach dem Sinn des Lebens stellen, muss sich niemand dafür schämen, noch auf der Suche zu sein..

Zum Guardian

Lebenssinn bei Atheisten

Schnell, T. & Keenan, W.J.F. (2011). Meaning-Making in an Atheist World. Archive for the Psychology of Religion, 33, 55-78.

Atheismus wird oft mit Sinnleere in Verbindung gebracht. Man geht davon aus, dass AtheistInnen weder Sinn erleben, noch moralisch handeln oder gar Ehrfurcht und Dankbarkeit erleben. In der letzten Zeit melden sich Atheistinnen und Atheisten immer häufiger zu Wort. Sie fechten solche Stereotype als Vorurteile an (z.B. Sam Harris) und weisen darauf hin, dass Atheismus Sinnerleben keinesfalls ausschließen muss (z.B. André Comte-Sponville). In dieser Studie haben wir untersucht, ob und auf welche Art AtheistInnen ihr Leben sinnvoll gestalten. Lebensbedeutungen, Sinnerfüllung und Sinnkrise wurden in einer Stichprobe von N = 102 AtheistInnen erhoben; außerdem wurden sie mit Religiösen und sogenannten ‘nones’ (weder religiös nach atheistisch) verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass man nicht alle Nicht-Gläubigen in einen Topf werfen darf…

Hier geht’s zum Originalartikel.

Nötigt sinnerfüllte Arbeit zu Selbstaufopferung?

„Work-Life-Balance“ ist zu einem häufig genutzten Schlagwort geworden. Gerade in unserer modernen Gesellschaft gestaltet sich die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben oft schwierig. Stress und Burnout sind unter anderem die Folgen zeitgenössischer Arbeitsformen und sozio-ökonomischer Unsicherheiten.

Doch auch im sozialen Non-Profit Bereich werden die Zeiten härter. Das soziale Unternehmertum – also Unternehmen, die sich zum Wohl der Gesellschaft einsetzen anstatt für den eigenen Profit zu wirtschaften – sind immer öfter gezwungen die Mechanismen der Marktwirtschaft zu imitieren um überhaupt längerfristig bestehen zu können.

Die höhere Arbeits- und Lebenszufrieden, die eine sinnerfüllte Tätigkeit in diesen Bereichen bringt, wird so immer öfter auch begleitet von Überarbeitung und einem inneren Zwang immer noch mehr tun zu wollen und das bei einem viel zu geringen oder gar keinem Lohn, der kaum das eigene Überleben sichert.

Unternehmerische Entscheidungen beruhen inzwischen auch im Non-Profit-Bereich auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Fairness, Gerechtigkeit, Gleichheit und demokratische Verantwortung treten immer mehr in den Hintergrund.

Self-authorship bedeutet das eigene Leben selbst zu bestimmen.

Von Führungskräften wird nach Gay’s (1996) Konzept vom „unternehmerischen Subjekt“ viel erwartet. So sollen sie ihre Organisationen durch Selbstverbesserung und Selbstregulation aufwerten. Nadeson und Threthewey (2000) bemerken, dass durch die Positionierung eines Individuums als Autor seiner Selbst („Self-authorship“) ökonomische und politische Ungleichheiten legitimiert werden. In einem solchen Rahmen werden Armut, Hunger und andere Ungleichheiten dem persönlichen Versagen zugeschrieben – verursacht durch zu wenig Eigeninitiative.

Der vorliegende Artikel vergleicht die Autobiografien von drei herausragenden Personen, die jeweils andere US amerikanische Non-Profit-Organisationen gegründet haben.

  1. John Wood ist Gründer von „Room to Read“ und hat seinen hochbezahlten Arbeitsplatz bei Microsoft aufgegeben um Büchereien in Entwicklungsländern aufzubauen.
  2. Greg Mortenson gründete das „Central Asian Institute“ nach einem erfolglosen Versuch den K2 in Pakistan zu besteigen. Die Großmütigkeit der Dorfbewohner, die ihm medizinische Unterstützung anboten, rührte Greg Mortenson so sehr, dass er beschloss in den ländlichen Gebieten dort Schulen zu bauen.
  3. Wendy Kopp ist Gründerin von „Teach for America“, einer Organisation die die besten College-Absolventen engagiert um 2-Jahre lang in den ärmsten und ländlichsten Schulen zu unterrichten.
Jack Welch, Vorsitzender und CEO bei General Electric: „My kids were raised, largely alone, by their mother Carolyn […] There’s lip service to work-life balance and there’s reality […] if your boss is doing his job right […] he is making your job so exciting that your personal life becomes a less compelling draw.

Ihnen ist gemeinsam, dass sie alle drei bereit waren sich für ihr Ziel selbst aufzuopfern bis zu einem Punkt, an dem ihre Gesundheit, ihre Familien und andere Bereiche ihres persönlichen Lebens darunter leiden mussten. Problematisch ist vor Allem, dass Aufgaben, die dem größeren Ganzen dienen sollen oder in denen Personen glauben einer inneren Bestimmung folgen zu müssen, oft wie selbstverständlich mit Selbstaufopferung und unbezahlter Arbeit verknüpft werden.

Alle drei Unternehmer wurden angespornt durch:

  • Ein inneres Verlangen „nach etwas mehr“ im Leben, das sie davon abhielt, einen typischen Karrierepfad einzuschlagen bzw. dabei zu bleiben. Sie wollten etwas verändern und fühlten sich berufen einer höheren Bestimmung zu dienen.
  • Sie machten ein einschneidendes Erlebnis mit sozialen Problemen, das für sie zu einem lebensverändernden Erlebnis wurde.

Dies ließ sie, die vielen Hindernisse überwinden, die mit dem Aufbau einer Organisation einhergehen. Beispielsweise mussten finanzielle Mittel aufgebracht werden. Eine gute Idee und der Wille allein reichten nicht aus, ein solches Unternehmen zu führen. Hierarchische Strukturen und Management wurden nötig, um die Richtung zu weisen und am Ende hing der Erfolg schließlich auch davon ab, immer mehr wie ein marktwirtschaftlich orientiertes Unternehmen zu agieren. Während John Wood in seiner früheren Tätigkeit bei Microsoft bereits das nötige betriebswirtschaftliche Wissen mitbrachte, waren Greg Mortenson und Wendy Kopp gezwungen sich das Wissen anzueignen.

Obwohl sie für das Überleben der Organisationen notwendig war, erschwerte es die vermehrte Strukturierung der Organisationen den Mitarbeitern ihrer Arbeit nachzugehen. Für zukünftige Angestellte wurde es sogar weniger erstrebenswert diese Tätigkeiten auszuüben. Aber auch die Führungskräfte selbst litten unter ihrer bald sehr unausgeglichenen Work-Life-Balance und Selbstaufopferung in Form von Überstunden, Stress oder finanziellen Risiken und erheblichem Schlafmangel. Die Arbeit war oft nicht bezahlt oder zumindest unterbezahlt und auch die Führungskräfte selbst weigerten sich, Gehaltserhöhungen in Anspruch zu nehmen, selbst wenn sie und ihre Familien das Geld brauchten.

Die Analyse dieser Biografien zeigt die Schattenseiten sinnerfüllter Tätigkeit auf. Auch stellt sich die Frage, ob ein derart engagiertes Vorgehen anderen Menschen als Vorbild dient, wenn der Einsatz einer solchen Selbstlosigkeit bedarf.

Ich persönlich finde es vor Allem schade, dass die „Vermarktwirtschaftlichung“ der Arbeit im Non-Profit-Sektor die Wertorientierung und die Freude an der Tätigkeit so sehr in den Hintergrund drängt. Neben finanzieller Unterstützung von Organisationen die dem Gemeinwohl dienen, finde ich es auch wichtig, ihnen mehr Anerkennung entgegenzubringen. Vielleicht gelingt es den in diesen Bereichen tätigen Menschen dann auch eine angemessene Entlohnung für ihre Leistungen anzunehmen und sich nicht selbst auszubeuten.Ein generelles Umdenken in der Gesellschaft in Richtung „Gemeinwohl Ökonomiescheint in diesem Zusammenhang erstrebenswert zu sein. Im Gegensatz zum aktuellen Gewinnstreben und Konkurrenzdenken könnte unternehmerisches Denken so in Zukunft auch von Gemeinwohlstreben und Kooperation geprägt sein.

Zusammengefasst von Sandra Schmid

Quelle: Dempsey, S. E., & Sanders, M. L. (2010). Meaningful work?: Nonprofit marketization and work/life imbalance in popular autobiographies of social entrepreneurship. Organization, 17(4), 437–459.

Miller-McCune: Who Cares If It’s All Meaningless Anyway?

Brad Wittwer mit einer amüsanten Zusammenfassung des Phänomens ‘Existentielle Indifferenz’

(s. Schnell, T. (2010). Existential Indifference: Another Quality of Meaning in Life. Journal of Humanistic Psychology, 50 (3), 351-373.)

Hier geht’s zum Miller-McCune Artikel: Who Cares If It’s All Meaningless Anyway?

Coverstory OÖ Moments: Macht Ihr Leben Sinn?

Macht Ihr Leben noch Sinn? Zweifellos eine provokante Frage, die es sich immer wieder von Neuem zu stellen gilt, und zwar am besten dann, wenn wir noch gesund und munter sind…

Judith Hintersteiner (OÖ Moments) interviewt Tatjana Schnell und Andreas Salcher.

Schnell, Tatjana (2010). Macht Ihr Leben Sinn? Von Judith Hintersteiner. OÖ Moments 10/2010.

„Ein Pilger ist der, welcher geht, und der, welcher sucht.“ Eine Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobswegs

Pali, S. (2010). „Ein Pilger ist der, welcher geht, und der, welcher sucht.“ Eine Längsschnittstudie zu Lebenssinn & Lebensbedeutungen bei Pilgern des Jakobswegs. (Universität Innsbruck: Unveröffentlichte Diplomarbeit)

Im Fokus dieser vorliegenden Arbeit steht die Fragestellung, ob sich potentielle Pilger des Jakobswegs in ihren Lebensbedeutungen, Lebenssinn und Sinnkrise von der Normalbevölkerung unterscheiden und ob die Erfahrung des Pilgerns eine Veränderung in diesen Bereichen auslöst.

Die Daten wurden mithilfe einer Online-Version des Fragebogens zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe von Schnell & Becker, 2007) gewonnen. Die Pilger wurden aufgefordert, den Fragebogen vor dem Pilgern auszufüllen (T1), bis zu zwei Wochen nach dem Pilgern (T2) und vier Monate danach (T3) um mögliche Veränderungen feststellen zu können. 85 potentielle Pilger nahmen zum ersten Messzeitpunkt teil, 46 Teilnehmer konnten für eine Erhebung zu allen drei Messzeitpunkten gewonnen werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass potentielle Pilger in den Skalen Sinnkrise, Selbsterkenntnis, Herausforderung und Freiheit und in der Dimension Selbstverwirklichung im Vergleich zur Normstichprobe weitaus höhere Werte aufweisen. In der Dimension Ordnung zeigen sie hingegen signifikant niedrigere Ausprägungen. Keine Unterschiede hingegen fanden sich in der Skala Naturverbundenheit und in der Dimension Selbsttranszendenz vertikal. Potentielle Pilger scheinen also Menschen zu sein, die auf der Suche nach Selbsterkenntnis und neuen Erfahrungen sind, dabei wenig orientiert an Tradition und Bodenständigkeit und die (noch) keinen besonders starken Bezug zur Natur und zu transzendenten Inhalten haben. Das erhöhte Maß an Sinnkrise erklärt vielleicht unter anderem den Wunsch, aus alltäglichen Strukturen auszubrechen und den eigenen Weg zu finden.

Das Pilgern übt einen hoch signifikanten Einfluss auf die Entwicklung der Skalen Sinnerfüllung und Sinnkrise aus. Nach dem Pilgern zeigen die Untersuchungsteilnehmer signifikant niedrigere Werte in der Sinnkrise und signifikant höhere Werte in der Sinnerfüllung.

Nach dem Pilgern finden sich die Lebensbedeutungen erneut stark in der Selbstverwirklichung, aber auch im Wir- und Wohlgefühl, besonders in der Skala Gemeinschaft. Die Naturverbundenheit und der Bezug zu religiösen bzw. spirituellen Themen (Selbsttranszendenz vertikal) nehmen nach dem Pilgern einen deutlich größeren Stellenwert ein, ebenso die eigene Gesundheit. Zusammengefasst könnte man sagen, dass sich das Bild eines sich selbst und anderen umsorgenden Menschen abzeichnet, dem die Natur und der spirituelle Bezug zu der eigenen Wirklichkeit wichtig geworden sind.

Diese Arbeit zeigt, dass der Prozess des Pilgerns eine äußerliche, aber auch eine innerliche Bewegung ist, die zu mehr Sinnerfüllung im Leben führt.

Was bedeuten Sinnerfüllung und Sinnkrisen für unser Wohlbefinden?

Schnell, T. (2009). The Sources of Meaning and Meaning in Life Questionnaire (SoMe): Relations to demographics and well-being. The Journal of Positive Psychology, Vol.4 (6), 483-499

Zusammengefasst von Stephanie Theves:

Was bedeuten Sinnerfüllung und Sinnkrisen für unser Wohlbefinden?

Dieser Frage geht die Studie „The Sources of Meaning and Meaning in Life Questionnaire (SoMe): Relations to demographics and well-being” (Schnell, 2009) nach und zeigt dabei auch die Notwendigkeit einer getrennten Erfassung von Sinnerleben und Sinnkrise auf.

135 Personen beatworteten den Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe, Schnell & Becker, 2007), der neben 26 Lebensbedeutungen das Vorhandensein einer Sinnkrise und die Ausprägung von Sinnerleben erfasst. Zudem wurden positive Aspekte von Wohlbefinden – positive Gestimmtheit und generelle Lebenszufriedenheit – und negative Aspekte von Wohlbefinden wie Neurotizismus, Depression und Ängstlichkeit gemessen.

Der LeBe misst im Gegensatz zu bisherigen Fragebögen Lebenssinn zweidimensional. Das bedeutet, dass die beiden Erfahrungsdimensionen von Lebenssinn – Sinnkrise und Sinnerleben – einzeln erhoben werden. Daher ist es möglich die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten einer Sinnkrise und dem persönlichen Wohlbefinden einerseits und dem Grad des Sinnerlebens und dem Wohlbefinden andererseits zu analysieren. Dies führt zu starken Abweichungen zu Ergebnissen bisheriger Studien, die Lebenssinn mit nur einer Skala als Kontinuum zwischen Sinnerleben und Sinnkrise erfassten und zum einen Zusammenhänge zwischen Sinn und Wohlbefinden und zum anderen zwischen mangelndem Sinnerleben und Ängstlichkeit, Neurotizismus oder Suizidgedanken postulierten.

Eine Korrelationsanalyse ergab, dass die Zusammenhänge zwischen Sinnerleben, Sinnkrise und positiven und negativen Aspekten von Wohlbefinden gering bis mittelhoch sind. Sinnerfahrungen sind daher nicht mit positivem oder negativem Wohlbefinden gleichzusetzen. Es zeigte sich jedoch, dass der Grad des Sinnerlebens ein geeignetes Maß ist, um positive Aspekte von Wohlbefinden vorherzusagen. Erfährt eine Person also ihr Leben als sehr sinnvoll, wird sehr wahrscheinlich auch ihre generelle Lebenszufriedenheit hoch und ihre Stimmung gut sein. Ähnliches gilt für das Erleben einer Sinnkrise: Leiden Personen unter einer Sinnkrise, treten sehr wahrscheinlich auch weitere negative Affekte wie Ängstlichkeit oder Depression auf, die Werte für Lebenszufriedenheit und gute Stimmung sind hingegen gering.

Interessanterweise stellte sich heraus, dass ein geringes Sinnerleben nicht mit negativen Aspekten von Wohlbefinden, wie Angst oder Depression einhergeht. Eine Begründung für dieses Ergebnis könnte sein, dass die Abwesenheit von Sinnerfüllung ganz im Gegensatz zur Sinnkrise keinen Leidenszustand darstellt. Wenn wir also keinen Sinn in unserem Leben wahrnehmen, heißt das nicht, dass wir unter einer Sinnkrise leiden, und es macht auch keine Aussage darüber wie ängstlich oder depressiv wir sind. Es gibt also Menschen, die keine Sinnerfüllung erleben, sich deswegen aber nicht schlecht fühlen.

Bei einem solchen Zustand geringer Sinnerfüllung, der aber nicht von einer Sinnkrise begleitet wird, spricht man von existenzieller Indifferenz (Schnell, 2010). Existenziell Indifferente Personen sind nicht besonders leidenschaftlich oder engagiert und zeigen wenig Interesse an Selbsterkenntnis, Spiritualität, Religiosität und Generativität. Dies beeinflusst aber nicht ihr Befinden und so sind sie nicht depressiver oder ängstlicher als Personen die ihr Leben als sinnvoll wahrnehmen. Ihr subjektives Wohlbefinden ist jedoch geringer ausgeprägt.

Lebenssinn und psychisches Wohlbefinden – Gibt es einen Zusammenhang?

Zika, S. & Chamberlain, K. (1992). On the relation between meaning in life and psychological well-being. British Journal of Psychology, 83, S.133-145

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Lebenssinn einen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden der Menschen hat?

Mit eben dieser Frage beschäftigten sich Zika & Chamberlain (1992) in ihrer Untersuchung und versuchten mit Hilfe der drei  Fragebögen „Purpose in Life Test“, „Life Regard Index” und der „Sense of Coherence Scale” diese Annahme zu überprüfen. Zwei unterschiedliche Gruppen, nämlich Mütter jüngerer Kinder und ältere Leute, wurden für die Untersuchung herangezogen, da diese als Risikogruppen für geringeres Wohlbefinden gelten. Dies wird gerechtfertigt, indem angegeben wird, dass Mütter und ältere Menschen oft nur ein geringes finanzielles Einkommen haben, zu einem gewissen Grad abhängig von anderen sind und die Gefahr von Isolation bei ihnen höher ist, als bei anderen.

Bei der Untersuchung wurde das Konstrukt „Wohlbefinden” in 3 Komponenten unterteilt (Lebenszufriedenheit, positive Gefühle und negative Gefühle), welche alle drei auf eine Korrelation mit Lebenssinn getestet wurden.

Zika & Chamberlain (1992) kamen zu dem Ergebnis, dass alle 3 Komponenten von Wohlbefinden mit dem Konstrukt Lebenssinn korrelieren. Man kann also sagen, dass eine hohe Sinnerfüllung mit Lebenszufriedenheit einhergeht, mit häufigem Erleben von positiven Gefühlen und selten auftretenden negativen Gefühlen.

Allerdings kann weder klar festgestellt werden, was die Ursache dieses Zusammenhangs darstellt, noch in welcher Richtung dieser Zusammenhang verläuft. Die Autoren favorisieren zwar die Ansicht, dass Lebenssinn das psychische Wohlbefinden von Menschen beeinflusst, andererseits ist es jedoch auch möglich, dass das Wohlbefinden die Wahrnehmung dessen beeinflusst, was wir als sinnvoll betrachten.

Abschließend kann zusammengefasst werden, dass Lebenssinn einen deutlichen Zusammenhang mit psychischem Wohlbefinden aufweist und dass daher Menschen, welche unter einem Sinnverlust leiden, mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Einschränkungen in Ihrem Wohlbefinden erleiden (Zika & Chamberlain, 1992). Daraus schlussfolgern die Autoren, dass das Thema Lebenssinn viel mehr Bedeutung in der Behandlung von Menschen, die unter psychischen Problemen leiden, bekommen sollte.

Lebenssinn eine Vermittlerrolle zwischen Persönlichkeitseigenschaften und dem subjektiven Wohlbefinden?

Compton, W.C. (2000). Meaningfulness as a mediator of subjective well-being. Psychological Reports, 87, S.156-160.

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

W. C. Compton untersucht in dieser Studie den Zusammenhang zwischen dem subjektiven Wohlbefinden und den Persönlichkeitsmerkmalen Selbstbewusstsein, internale Kontrollüberzeugungen (die Annahme, dass ich selbst für das zuständig bin, was in meinem Leben geschieht), positive soziale Beziehungen, Optimismus und wahrgenommener Lebenssinn. Den Autor interessierte, ob Lebenssinn eine Vermittlerrolle zwischen Persönlichkeitseigenschaften und dem subjektiven Wohlbefinden einnimmt – ob also bestimmte Persönlichkeitseigenschaften eher mit Wohlbefinden einhergehen, wenn das Leben als sinnvoll erfahren wird.

Die Untersuchung wurde an 347 amerikanischen Studenten durchgeführt, welche eine Reihe von Fragebögen ausfüllten. Das subjektive Wohlbefinden wurde in 3 Variablen aufgeteilt: Lebenszufriedenheit, Glücksgefühl und Ausgeglichenheit.

Als Ergebnis zeigte sich, dass alle fünf der oben beschriebenen Persönlichkeitsmerkmale (Selbstbewusstsein, internale Kontrollüberzeugungen, positive soziale Beziehungen, Optimismus, Lebenssinn) Einfluss auf das Wohlbefinden eines Menschen haben. Dabei wies die Überzeugung, dass das eigene Leben sinnvoll ist, den stärksten Vorhersagewert für subjektives Wohlbefinden auf.

Der wahrgenommene Lebenssinn und das subjektive Wohlbefinden verfügen also über einen nachweislichen Zusammenhang. Vielleicht finden Sie ja mal für sich die Zeit, um darüber nachzudenken, wie sie in Ihrem Leben den Zusammenhang zwischen diesen beiden Variablen wahrnehmen.  Gab es Zeiten, in denen Sie Ihr Leben als relativ sinnlos erlebt haben? Wahrscheinlich haben Sie sich in dieser Zeit auch nicht besonders wohlgefühlt.

Andererseits könnte es auch möglich sein, dass Ihnen in Zeiten, in denen Sie sich (aus unterschiedlichsten Gründen) schlecht fühlen, auch das Gefühl für den Sinn Ihres Lebens abhanden kommt.

Auf jeden Fall ist zu erwarten, dass beides wieder ansteigt, sobald eines von beiden sich wieder stabilisiert!

Sinnerfüllung im Beruf. Zum Zusammenhang von Merkmalen der Arbeitstätigkeit, Sinnerfüllung, Arbeitsengagement und Wohlbefinden

Siller, E. (2009). Sinnerfüllung im Beruf. Zum Zusammenhang von Merkmalen der Arbeitstätigkeit, Sinnerfüllung, Arbeitsengagement und Wohlbefinden. (Universität Innsbruck: Unveröffentlichte Diplomarbeit)

Während sich zum Beispiel die Philosophie oder auch die Klinische Psychologie schon sehr lange mit dem Thema „Sinn” beschäftigen, wird in der Arbeits- und Organisationspsychologie erst vergleichsweise kurz in diesem Bereich geforscht. Diese Diplomarbeit soll einen Beitrag zu dieser „jungen” Forschung liefern.

Ausgangspunkt der Diplomarbeit war die Frage, welche Bedingungen mit einer Berufstätigkeit in Zusammenhang stehen, die als sinnerfüllt erlebt wird. Dafür wurden – aus arbeitspsychologischer Sicht – die Korrelationen zwischen Arbeitsressourcen, Arbeitsbelastungen, Flexibilitätsanforderungen, der soziomoralischen Atmosphäre, Arbeitsengagement, Wohlbefinden und Sinnerfüllung im Beruf bzw. generell erlebter Sinnerfüllung näher betrachtet.

Im Theorieteil der Diplomarbeit erfolgt die Darstellung der einzelnen Konstrukte: Der komplexe Begriff Sinn wird näher beleuchtet und vorliegende Untersuchungen zu Sinn und Beruf werden angeführt. Weiters folgt eine Erläuterung, aus welchen Dimensionen sich Arbeitsengagement zusammensetzt, was unter Flexibilitätsanforderungen verstanden wird bzw. welche Inhalte die Arbeitskraftunternehmer-These aufweist. Der letzte Punkt beschäftigt sich mit der soziomoralischen Atmosphäre und ihren sechs Merkmalen.

Für die Untersuchung wurde ein umfassender Fragebogen aus Teilen verschiedener bestehender Verfahren zusammengestellt, mit welchem die Erhebung der Stichprobe erfolgte. Die Fragestellung richtete sich an Erwerbstätige, die in einem befristeten oder unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen. Es konnten 183 gültige Fragebögen für die Berechnungen herangezogen werden.

Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitsressourcen, soziale Unterstützung und eine wahrgenommene soziomoralische Atmosphäre sowohl mit Arbeitsengagement als auch mit Sinnerfüllung in einem signifikanten positiven Zusammenhang stehen.

Ebenfalls signifikante positive Korrelationen konnten sowohl zwischen Arbeitsengagement und Wohlbefinden bzw. Sinnerfüllung und Wohlbefinden als auch zwischen Arbeitsengagement und Sinnerfüllung errechnet werden.

In Bezug auf Flexibilitätsanforderungen zeigte sich, dass die Skalen Anforderungen an Selbstbestimmung und Selbstorganisation, Anforderungen an eigenständige Karriereentwicklung und Anforderungen an eigenverantwortliches Lernen signifikant positiv mit Arbeitsengagement bzw. mit Sinnerfüllung zusammenhängen. Für die Skalen Anforderungen an zeitliche Flexibilität bzw. Anforderungen an funktionale Flexibilität und Arbeitsengagement bzw. Sinnerfüllung konnten keine signifikanten Korrelationen festgestellt werden.

Bei den Arbeitsbelastungen zeigten wider Erwarten nur arbeitsorganisatorische Probleme eine negative signifikante Korrelation mit Sinnerfüllung, zwischen Zeitdruck sowie Arbeitsunterbrechungen und Sinnerfüllung waren keine signifikanten Zusammenhänge nachweisbar.

Interessante Ergebnisse lieferte die Berechnung der Mediatoreffekte. Es konnte gezeigt werden, dass der Zusammenhang zwischen Arbeitsressourcen und Arbeitsengagement vollständig von Sinnerfüllung im Beruf mediiert wird. Für die Mediation von generell erlebter Sinnerfüllung konnte dieser Effekt aber nicht nachgewiesen werden.

Generell wurden die Hypothesen zu Sinnerfüllung immer in zwei Varianten gerechnet: einmal mit der Skala Sinnerfüllung im Beruf und einmal mit der Skala generell erlebte Sinnerfüllung. Es zeigte sich, dass diese Differenzierung auch für weitere Forschungen im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie in Betracht gezogen werden sollte, da bei nahezu allen Hypothesen, welche die Sinnerfüllung betreffen, die Korrelationen der einzelnen Skalen mit Sinnerfüllung im Beruf stärker ausfielen als die jeweiligen Zusammenhänge mit generell erlebter Sinnerfüllung.

Trotz der interessanten Ergebnisse der Untersuchung liegt ihre Beschränkung vor allem darin, dass es sich um eine Querschnittserhebung handelt, welche ausschließlich Korrelationen feststellt, jedoch keine Schlüsse auf die Kausalität der Zusammenhänge zulässt. Für zukünftige Forschungen wären sicherlich Untersuchungen von Interesse, welche im Stande sind, Aussagen über die Kausalität der Korrelationen zu liefern.

Abschließend darf ich als Autorin bemerken, dass ich der Ansicht bin, dass Forschung zum Thema Sinn in der Arbeits- und Organisationspsychologie ein zukunftsträchtiger und lohnender Bereich sein kann. Durch die sich laufend verändernde (Arbeits-)Zukunft und die damit verbundenen Herausforderungen sollte ein Hauptaugenmerk darauf liegen, was arbeitenden Menschen dabei hilft, gesund und engagiert zu bleiben und ihre Tätigkeit als sinnerfüllt zu erleben.

Lebensbedeutungen bei Zwillingen

Güfel, B. (2010). Lebensbedeutungen bei Zwillingen. (Universität Innsbruck: Unveröffentlichte Diplomarbeit)

Die Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob mittels des Fragebogens zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (Schnell & Becker, 2007) Unterschiede zwischen Zwillingen hinsichtlich der untersuchten Sinnskalen festgestellt werden können. Die Methode der Zwillingsforschung unternimmt den Versuch, durch die Gegenüberstellung von monozygotischen (eineiigen) und dizygotischen (zweieiigen) Zwillingen mögliche genetische Einflüsse aufzudecken.

Daten von 248 Zwillingen sind in die Untersuchung eingegangen: 60 monozygotische Pärchen, 64 dizygotische Pärchen.

Zusammenfassend haben die Ergebnisse teilweise recht unterschiedliche Zusammenhänge hervorgebracht. So spielen erbliche Einflüsse für manche Lebensbedeutungen eine erstaunlich geringe Rolle. Die Verwirklichung von expliziter Religiosität und Spiritualität z.B. haben weniger mit einer genetischen Veranlagung zu tun, als dass sie vielmehr durch die Umwelt geprägt zu sein scheinen.  Aber auch das Erleben von Sinnerfüllung oder einer Sinnkrise scheinen mehr durch die Umwelt beeinflusst zu sein, als durch die Gene. In diesen Skalen konnten aufgrund der Zusammenhänge zwischen den Zwillingen keine genetischen Einflüsse festgemacht werden. Starke genetische Einflüsse hingegen weisen die Lebensbedeutungen Gesundheit, Fürsorge, Harmonie und Kreativität auf. Mit einem jeweiligen genetischen Varianzanteil von ca. 50% kann man hier von einer starken vererbten Prädisposition sprechen.

Erwerbslose Menschen mit freiwilligem Engagement und ohne freiwilliges Engagement: Ein Vergleich von Lebenssinn, Lebensbedeutungen und subjektivem Wohlbefinden.

Dickel, I. (2009). Erwerbslose Menschen mit freiwilligem Engagement und ohne freiwilliges Engagement: Ein Vergleich von Lebenssinn, Lebensbedeutungen und subjektivem Wohlbefinden. (Unveröffentlichte Diplomarbeit, Technische Universität Berlin)

Das Ziel dieser Arbeit war zu untersuchen, ob bei freiwillig engagierten Erwerbslosen das subjektive Wohlbefinden, die Sinnerfüllung und wesentliche Lebensbedeutungen höher ausgeprägt sind als bei nicht engagierten Erwerbslosen. Ein weiteres Ziel war zu prüfen, ob freiwillig engagierte Erwerbslose weniger unter einer Sinnkrise leiden als nicht engagierte Erwerbslose.

Die Ausprägungen des subjektiven Wohlbefindens, der Sinnerfüllung, der Lebensbedeutungen sowie das Ausmaß des Leidens an Sinnlosigkeit wurde mit zwei standardisierten Fragebogen erhoben. Der Fragebogen zum subjektiven Wohlbefinden bestand aus den Skalen Stimmungsniveau und Allgemeine Lebenszufriedenheit. Der zweite standardisierte Fragebogen erhob die Ausprägung der Skalen Sinnerfüllung, Sinnkrise, Selbsttranszendenz – vertikal, Selbsttranszendenz - horizontal, Selbstverwirklichung, Ordnung, Wirund Wohlgefühl und der 26 Lebensbedeutungen: Explizite Religiosität, Spiritualität, Soziales Engagement, Naturverbundenheit,Selbsterkenntnis, Gesundheit, Generativität, Herausforderung, Individualismus, Macht, Entwicklung, Leistung, Freiheit, Wissen, Kreativität, Tradition, Bodenständigkeit, Moral, Vernunft, Gemeinschaft, Spaß, Liebe, Wellness, Fürsorge, Bewusstes Erleben, Harmonie.

Der zur Erhebung eingesetzte Fragebogen umfasste neben den zwei standardisierten Fragebogen jeweils einen Fragenkatalog bezüglich soziodemographischer Daten und Angaben zum freiwilligen Engagement. Die hauptsächlich in Berlin wohnenden 145 Versuchspersonen füllten den Fragebogen innerhalb des Zeitraumes von November 2008 bis April 2009 aus.

Zur Untersuchung der Forschungsfragen wurden 35 t‐Tests an einer probabilistischen Stichprobe mit 86 Erwerbslosen ohne freiwilliges Engagement und 59 Erwerbslosen mit freiwilligem Engagement gerechnet.

Die Ergebnisse zeigen, dass freiwillig engagierte Erwerbslose ihr Leben sinnerfüllter wahrnehmen und weniger unter einer Sinnkrise leiden als nicht engagierte Erwerbslose. Im Bezug auf das subjektive Wohlbefinden unterscheiden sich freiwillig engagierte Erwerbslose nicht statistisch signifikant von Erwerbslosen ohne Engagement. Freiwillig engagierte Erwerbslose weisen eine höhere Ausprägung in den Sinndimensionen Selbsttranszendenz – vertikal und Selbstverwirklichung auf. Die Lebensbedeutungen Soziales Engagement, Naturverbundenheit, Generativität, Macht, Entwicklung, Wissen, Kreativität, Bewusstes Erleben und Harmonie spielen im Leben engagierter Erwerbloser eine größere Rolle als bei nicht engagierten Erwerbslosen.

Behinderung und Lebenssinn. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Behinderung eines Menschen und den Lebensbedeutungen seiner gesunden Geschwister? Eine quantitative Studie.

Engelhardt, A. (2008). Behinderung und Lebenssinn. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Behinderung eines Menschen und den Lebensbedeutungen seiner gesunden Geschwister? Eine quantitative Studie. (Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Innsbruck)

Im Mittelpunkt des Forschungsinteresses dieser Arbeit steht die Fragestellung, ob sich die Geschwister von Menschen mit einer Behinderung in ihren Lebensbedeutungen von der Normalbevölkerung unterscheiden.

Die Daten wurden mit Hilfe des „Fragebogens zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn” (LeBe von Schnell & Becker, 2007) gewonnen und die Normierungsstichprobe des Fragebogens, welche aus 603 Personen besteht, wurde als Vergleichsstichprobe für die Untersuchung herangezogen. Die Geschwisterstichprobe besteht aus 97 Brüdern und Schwestern von Menschen mit verschiedensten Behinderungen (Down-Syndrom, Autismus, geistige und körperliche Behinderung).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass sich die Geschwister in der Ausprägung von bestimmten Lebensbedeutungen, wie Soziales Engagement, Gemeinschaft, Selbsterkenntnis, Entwicklung, Freiheit, Fürsorge und Bewusstes Erleben von der Normierungsstichprobe des Fragebogens dahingehend unterscheiden, dass diese Skalen bei ihnen eine signifikant größere Ausprägung und dementsprechend eine stärkere Verwirklichung erfahren. Als bester Prädiktor für Sinnerfüllung erwies sich in der erhobenen Stichprobe die Sinndimension Wir- und Wohlgefühl des Fragebogens. Im Unterschied dazu hat in der Normierungsstichprobe die Dimension Selbsttranszendenz horizontal den besten Vorhersagewert. Außerdem zeigte sich, dass in der für diese Studie erhobenen Stichprobe die Lebensbedeutungen Generativität, Bewusstes Erleben und Harmonie am engsten mit der erlebten Sinnerfüllung der Brüder und Schwestern verknüpft ist.

Durch die hier dargestellte Studie konnte nachgewiesen werden, dass für Menschen, welche mit einem behinderten Geschwister aufwachsen, tatsächlich andere Lebensbedeutungen als Sinnquellen einen hohen Stellenwert einnehmen, als dies bei der Normierungsstichprobe der Fall ist. Besonders die Verwirklichung von Lebensbedeutungen der Sinndimension Wir- und Wohlgefühl führt in dieser Stichprobe zu hoher Sinnerfüllung.

Warum bin ich nicht weg und jemand anderes da?: eine qualitative Studie über Lebenssinn und Lebensziele suchtkranker Jugendlicher in der Rehabilitation

Terneß, M. (2007). Warum bin ich nicht weg und jemand anderes da?: eine qualitative Studie über Lebenssinn und Lebensziele suchtkranker Jugendlicher in der Rehabilitation. Saarbrücken: VDM-Verlag.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Lebenssinn und Lebensziele bei suchtkranken Jugendlichen. Dabei wurden Persönliche Gespräche (nach der von Inghard Langer entwickelten Methode) mit 8 Jugendlichen geführt, die sich zu der Zeit im COME IN befanden, einer rehabilitativen Einrichtung, die die Behandlung und Resozialisierung dieser Jugendlichen zum Ziel hat. Es wird ein Überblick gegeben über Theorie und Forschung zum Thema Lebenssinn in der Psychologie. Die Methode des Persönlichen Gespräches wird vorgestellt. Es handelt sich dabei um eine humanistisch orientierte Art und Weise Gespräche zu Forschungszwecken zu führen, die auf dem von Rogers entwickelten klientenzentrierten Ansatz basiert, der sich wiederum durch eine empathisch, unbedingt wertschätzende und authentische Grundhaltung gegenüber dem Klienten auszeichnet. Es geht dabei hauptsächlich um die subjektive Welt der Klienten und weniger um verallgemeinerbare Empirie zur Lebenssinn-Problematik. Das Persönliche Gespräch wird als Methode wissenschaftstheoretisch und metaphysisch eingebettet. Aus dieser heraus lässt sich die besondere Betonung und Einbringung des persönlichen Bezugspunktes des Autors in die Gespräche verstehen. Die verdichteten Gespräche selbst werden als Hauptteil dieser Studie betrachtet. Der Leser sei aufgefordert selbst in die Welt der Klienten einzutauchen und sie mit seiner eigenen Welt abzugleichen. Wenn diese Arbeit beim Leser zu einer Anregung, einer inneren und vielleicht auch äußeren Auseinandersetzung mit den von den Klienten gemachten Aussagen zu entsprechender Thematik geführt hat, kann sie als erfolgreich gelten.

Für die am wissenschaftlichen Diskurs interessierten Leser kann der Ergebnisteil zu einigen interessanten Erkenntnissen führen. Hier zeigt sich, dass wir es mit einem sehr komplexen und heterogenen Feld zu tun haben, welches das ganze Leben der Klienten in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betrifft. Viele Aussagen und Hypothesen lassen sich ableiten. Nach Verdichtung der Aussagen zu Lebenssinn und Lebenszielen ergaben sich folgende fünf Bereiche, die allerdings lediglich als Heuristik zu verstehen sind, da Sinn-Inhalte und deren Bedeutungen aufgrund ihrer multiplen Verstrickungen nicht immer voneinander zu trennen waren:

Soziale Beziehungen, Arbeit, Angenehme Aktivitäten, lebensgeschichtlich bedingte suchtspezifische Sinn-Orientierungen, Ziel- und Erfolgsorientierung.

Es zeigte sich, dass Lebenssinn nur wirklich im lebensgeschichtlichen Kontext der Klienten zu verstehen ist, was am besten am Bereich „lebensgeschichtlich bedingte suchtspezifische Sinn-Orientierungen” zu sehen ist, bei dem deutlich wird, dass die Klienten sich sowohl in ihren Lebenszielen, als auch in ihrem jetzigen Erleben auf das in ihrer Vergangenheit erlebte „Leid” im Sinne einer Kontrastierung beziehen. Dieses scheint sich bei einigen auch in einem bewussteren Erleben auszudrücken, welches auf einen möglichen Entwicklungsgewinn über das Wachsen an kritischen Lebensereignissen hindeutet (s.a. Kapitel „Beziehung zu Eltern und anderen wichtigen Bezugspersonen” und „Sucht und Vergangenheit”). Allerdings könnten auch in den anderen Bereichen suchtspezifische Aspekte vermutet werden. So scheint bspw. die Gewinnung von Selbstwert als Hintergrundmotivation an verschiedenen Stellen durchzuschimmern. Der Bereich Glauben, der interessanter Weise von keinem Klienten selbstständig als sinnkonstituierend genannt wird, zeigt, dass es trotz einer vermeintlichen „Nicht-Religiösität” im konfessionellen Sinne, vielfältige Vorstellungen vom „Funktionieren” der Welt sowie von Leben und Tod geben kann. Allerdings hat das bei den meisten Klienten keine „bewussten” Implikationen für ihr Handeln in ihrem alltäglichen Leben.

Erwähnenswert ist innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses auch die Tatsache, dass Selbsttranszendenz bei vielen Jugendlichen, insbesondere als Motivation im Bereich angenehme Aktivitäten, im Lebenssinn-Kontext auftaucht.

Die Jugendlichen sind insgesamt durchaus imstande relativ elaboriert über Lebenssinn und Lebensziele zu sprechen, was auf eine grundsätzliche Anwesenheit von Sinnerleben hindeutet, wobei hier der Vergleich mit suchtkranken Jugendlichen, die noch nicht „clean” sind, zusätzliche Erkenntnisse bringen könnte.

Mich persönlich beeindruckte vor allem das kreative Potential der Jugendlichen, welches in diesem Rahmen natürlich nicht objektivierbar war. Trotzdem wäre auch hier ein Vergleich mit nicht süchtigen Jugendlichen interessant. Verallgemeinerbare Aussagen, zu einem möglichen besonderen Potential dieser Jugendlichen könnten natürlich große Relevanz für entsprechende rehabilitative Maßnahmen haben. Das COME IN scheint dieses Potential in ihrem therapeutischen Angebot bereits zu nutzen.

Die Arbeit des COME IN muss aufgrund der hier gewonnenen Klientenaussagen insgesamt als sehr gut bewertet werden. Es ist anzunehmen, dass ein großer Teil der sinnstiftenden Inhalte der Klienten durch die Therapie vermittelt werden konnte. Bezüglich des Themas Lebenssinn könnte eine etwas stärkere Auseinandersetzung mit lebensphilosophischen- und Glaubensfragen von Vorteil sein, insofern sich ein konsistentes und kohärentes Sinnsystem, welches sich mit der Endlichkeit des Lebens auseinandersetzt, als hilfreich erweisen kann. Es vermag vermutlich eine positive Zukunftsorientierung zu unterstützen. Empirisch konnten diesbezüglich in anderen Studien immer wieder Zusammenhänge zu psychischer Gesundheit und Wohlbefinden aufgezeigt werden.

Abschließend soll bemerkt werden, dass sich das Persönliche Gespräch als wertvolle Methode, insbesondere in dem hier untersuchten psychologischen Forschungsbereich, erwiesen hat. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird es sich weiterhin außerhalb der psychologischen „Mainstream”-Methodik bewegen. Wem als fachkundiger Leser diese Methode, wie z.B. in dieser Arbeit, über den Weg läuft, der fühle sich also ermutigt, in seiner psychologisch empirischen Tätigkeit das Persönliche Gespräch ebenfalls anzuwenden. Insbesondere wenn es sich um ein Thema handelt, das für den Forscher selber existentiellen Charakter hat, verspricht das Persönliche Gespräch, Menschen in einer ganz besonderen ganzheitlichen Tiefe mit dem Forscher und dem Leser in Kontakt zu bringen. Diese Form der Wissenschaft kann über einen selbstdarstellerischen Selbstzweck hinaus direkt klinisch psychologische Relevanz erhalten, indem sie den Rezipienten zu einem Verstehen anregt, das nicht in einer abstrakten theoretischen Verhärtung bestimmter Konzepte besteht, sondern im besten Fall zu mehr Menschlichkeit führt, die dann wieder etwaigen Klienten und Patienten zu Gute kommen kann.

Informationen über den Autor

Michael Terneß machte sein Diplom in Psychologie an der Universität Hamburg. Im Laufe seines Studiums konnte er viel Erfahrung in den Bereichen Forschung und Klinik sammeln. Vor dem Hintergrund seiner eigenen Zen-Praxis, vertritt er einen idiographisch-humanistischen Forschungsansatz, der Forscher und Leser wieder mit den untersuchten Menschen in Kontakt bringen möchte.

Die Arbeit wurde an der Universität Hamburg erstellt und betreut von Prof. Gerhard Vagt und Dipl. Psych. Peter Buttgereit.

Sie ist erhältlich über verschiedene Universitätsbibliotheken (www.gvb.de), bei www.grin.com sowie verschiedenen Internet-Buchhandlungen (z.B. www.amazon.de).

Lebensbedeutungen im interkulturellen Vergleich- eine Gegenüberstellung von Sinnquellen in der peruanischen und deutschen Kultur

Gapp, S.(2007). Lebensbedeutungen im interkulturellen Vergleich- eine Gegenüberstellung von Sinnquellen in der peruanischen und deutschen Kultur. (Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Innsbruck)

Diese Diplomarbeit behandelt das Thema Lebenssinn im interkulturellen Vergleich. Die Erhebung wurde mit Hilfe des Fragebogen zu Lebensbedeutung und Lebenssinn (LeBe, Schnell & Becker, 2007) durchgeführt, der zu diesem Zweck ins Spanische übersetzt (und rückübersetzt) wurde. Der LeBe dient dazu, die Quellen, aus denen Menschen ihren individuellen Sinn beziehen, dimensional zu erfassen. (Für jede Lebensbedeutung wird die persönliche Ausprägung ermittelt.)

116 Probanden, welche in Peru leben, wurden gebeten, den Fragebogen auszufüllen. Für einige Vergleiche wurden die Daten einer in Deutschland mit dem LeBe erhobenen Eichstichprobe, welche 603 Personen umfasst, herangezogen.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse, dass die in Deutschland erhobenen Lebensbedeutungen auch in Peru als Sinnquellen gelten, allerdings mit einer unterschiedlichen Gewichtung. So ist die Verwirklichung von expliziter Religiosität viel wichtiger (und stärker ausgeprägt) in Peru als in Deutschland. Am engsten ist Sinnerfüllung bei PeruanerInnen mit den Lebensbedeutungen Gemeinschaft, Harmonie und Generativität verknüpft.

Außerdem zeigt sich, dass bei den befragten PeruanerInnen z.B. Individualismus, Spaß, Leistung und Tradition eng miteinander zusammengehören (wer eines davon verwirklicht, hat auch hohe Ausprägungen in den anderen). In Deutschland jedoch sind diese Bereiche streng voneinander getrennt: Wer Individualismus sehr wichtig findet, hat üblicherweise niedrige Werte in Tradition. Wer Lebenssinn aus Leistung zieht, legt normalerweise wenig Wert auf Spaß als Lebensinhalt.

(Hier können Sie eine Zusammenfassung zentraler Ergebnisse dieser Studie auf einem Poster sehen, das auf dem ICP in Berlin 2008 präsentiert wurde.)

Sinnstiftung durch Massenmedien. Theoretische Voraussetzungen und Untersuchung am Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Lindenthal Michael (2007). Sinnstiftung durch Massenmedien. Theoretische Voraussetzungen und Untersuchung am Nachrichtenmagazin Der Spiegel. (Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Innsbruck)

Die Medien sind im Alltag westlicher Industriegesellschaften nicht wegzudenken, so dass auch sie in das Blickfeld der psychologischen Forschung gerückt sind. Massenmedien sind ein wesentlicher Teil der Umwelt. Hier findet auch Persönlichkeitskonstruktion statt, in dem Sinne, dass Massenmedien identitätsstiftend agieren. Sie präsentieren Rollenmuster und beinhalten Sinnangebote.

Solche Sinnangebote wurden in einer inhaltsanalytischen Längsschnittstudie untersucht. Anhand quantitativer sowie qualitativer Inhaltsanalysen der Berichterstattung des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel von 1994 bis 2004 wurden folgende Fragen bearbeitet:

  • Wird das Thema Sinnstiftung eher negativ (Sinnkrise) oder positiv (Sinnmöglichkeiten) dargestellt?
  • Welche Sinnangebote werden gemacht (in Anlehnung an die 26 Lebensbedeutungen des Fragebogens zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn- LeBe, Schnell und Becker)?
  • Gibt es eine Veränderung in Art oder Häufigkeit der Sinnangebote im untersuchten Zeitraum 1994 bis 2004?

Es konnte mittels einer Themenfrequenzanalyse gezeigt werden, dass im Spiegel Sinnmöglichkeiten gegenüber einer etwaigen Sinnkrise klar im Vordergrund stehen. Die Stabilität der Themenhäufigkeiten hat sich als hochsignifikant erwiesen, und es konnten Trends in der Entwicklung der Häufigkeiten einzelner Lebensbedeutungen identifiziert werden.

Mittelpunkt der qualitativen Analyse war die Lebensbedeutung „Gesundheit”. Dabei konnte unter Anderem eine Bedeutungszunahme festgestellt werden, welche sich auch in der Themenfrequenzanalyse zeigte. Orientiert am Sense of Coherence (Kohärenzsinn; Antonovsky, 1997) konnten Sinnangebote und Rezeptionsmöglichkeiten erkannt werden.

Implizit und explizit religiöse Transzendenzerfahrungen- eine qualitative Studie

Sabine Römer (2003). Implizit und explizit religiöse Transzendenzerfahrungen- eine qualitative Studie. (Universität Trier: Unveröffentlichte Diplomarbeit)

Zusammengefasst von Simone Schmit:

In dieser Diplomarbeit geht es um das Phänomen der Transzendenzerlebnisse. Den hier untersuchten Erlebnissen werden neben religiösen Erfahrungen, die traditionell in der religionspsychologischen Forschung behandelt werden, auch Erlebnisse zugeordnet, die einen implizit religiösen Charakter besitzen. Nach dem von Schnell (2004) entwickelten Konstrukt der impliziten Religiosität kann sich Religiosität einerseits explizit in religiösen Organisationen und etablierten Religionen manifestieren, andererseits implizite Züge annehmen. Diese Art von Religiosität zeigt sich u.a. in persönlich bedeutsamen Transzendenzerfahrungen, welche das Hauptaugenmerk dieser Untersuchung sind. Solche Erlebnisse sind Situationen oder Beschäftigungen, die der betroffenen Person ein Gefühl von Bedeutsamkeit oder „Heiligkeit” vermitteln und häufig unvorhergesehen auftauchen. Sie kennzeichnen sich durch eine kurzzeitige Bewusstseinsänderung und lassen die Person einen Moment lang alle raum-zeitlichen Gegebenheiten sowie das eigene Selbst, vergessen. Anhand unterschiedlich konzipierter Fragestellungen werden 74 Probanden nach diesen besonderen Momenten ihres Lebens befragt. Die berichteten Erlebnisse wurden primär qualitativ, teilweise auch quantitativ ausgewertet und Zusammenhänge zwischen ihnen aufgezeigt.

Anhand der Ergebnisse lässt sich sagen, dass alle Probanden von Transzendenzerfahrungen in einer sehr großen interindividuellen und intraindividuellen Vielfalt (à Vielfalt zwischen Personen, aber auch innerhalb einer Person) berichteten. Durch die breite Konzeptualisierung konnten unterschiedlichste Erlebnisse verzeichnet werden, welche die Kriterien der Bewusstseinsveränderung, Kurzzeitigkeit, Gefühl von Bedeutsamkeit, Aufgehen in der Situation aufweisen.

Numinose Erlebnisse (Erfahrungen wie Einblicke in eine andere Wirklichkeit, Begegnung mit Unerklärlichem, das Erfahren eines Siebten Sinnes und Telepathie) wurden von der Hälfte der Probanden berichtet. Sie wurden meist als etwas erlebt, das ‚über einen kommt’, als nicht aktiv herbei zu führen. Nach Tart (1960) kann eine Person umso mehr außergewöhnliche Bewusstseinszustände erfahren, je offener sie Erfahrungen gegenübersteht. Sie bedürfen eines gewissen Kontrollverlusts.

Den numinosen Erlebnissen wurden ‚natürliche’ Erlebnisse gegenübergestellt: diese wurden als weniger bewusstseinsverändernd erfahren. Zu ihnen zählen Einheitserlebnisse, Selbstüberschreitungen, Ekstase und kraftspendende Beschäftigungen und Erlebnissen. Diese setzen eine stärkere Aktivität der Person voraus. Meistens finden diese Erfahrungen in der Freizeit statt. Dabei ist der Kontext oft ein Hobby (z.B. malen, Musik hören, lesen…). Diese Transzendenzerfahrungen können ebenfalls nicht herbeigeführt, aber durch bestimmte Handlungen und Einstellungen erleichtert werden – im Gegensatz zu den oben erwähnten paranormalen Erfahrungen. Personen wissen um die kraftspendende Wirkung und setzen sie bewusst ein.

Die Diplomarbeit beinhaltet neben den erwähnten Ergebnissen noch weitere interessante Erkenntnisse und Diskussionen zu diesem Themenbereich, sowie die Schlussfolgerung, dass Transzendenzerlebnisse etwas universal Menschliches sind, von dem beinahe jeder zu berichten weiß.

Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ebenen der Religiositätserfassung und Persönlichkeitsmerkmalen

Mirjam Bartlog (2003). Zusammenhänge zwischen verschiedenen Ebenen der Religiositätserfassung und Persönlichkeitsmerkmalen. (Universität Trier: Unveröffentlichte Diplomarbeit)

Zusammengefasst von Simone Schmit:

Für diese Diplomarbeit wurden die Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitseigenschaften und verschiedenen Religiositätsebenen untersucht. Die verschiedenen Religiositätsebenen sind:

  • Die explizite (institutionelle Religiosität, Spiritualität)
  • Die persönliche (‚intuitiv’ zugeschriebene Religiosität, wie auch immer definiert)
  • Und die implizite Ebenen (‚weltliche’ Religiosität)

Als Persönlichkeitsmerkmale wurden die Big Five, erfasst mit dem NEO-FFI (Borkenau & Ostendorf), sowie die Charakter-Skalen des TCI (Cloninger) verwendet:

Big Five (NEO-FFI)

  1. Neurotizismus (Nervosität, Ängstlichkeit, Traurigkeit, Unsicherheit, Sorgen um die eigene Gesundheit, unrealistische Ideen,…),
  2. Extraversion (Geselligkeit, Aktivität, Personenorientierung, Optimismus,…),
  3. Offenheit für Erfahrung (Wissbegier, Kreativität, Phantasie, kulturelle Interessen),
  4. Verträglichkeit (Altruismus, Mitgefühl, Verständnis, Wohlwollen, Kooperativität,…) und
  5. Gewissenhaftigkeit (Ordnungsliebe, Zuverlässigkeit, Disziplin, Ehrgeiz, Genauigkeit,…).

Charakter-Skalen (TCI)

  • Selbstlenkungsfähigkeit (Verantwortlichkeit, Einfallsreichtum, Zielorientiertheit, Selbstakzeptanz)
  • Kooperativität (Hilfsbereitschaft, Gewissen, Mitleid, Einfühlungsvermögen, soziale Akzeptanz)
  • Selbsttranszendenz (Phantasie, Spiritualität, mystische Erfahrungen)

Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildet das in der Religionspsychologie sehr neue Konzept der impliziten Religiosität von Schnell. Viele interessante Ergebnisse gingen aus dieser Studie hervor. Folgend werde ich einige dieser Ergebnisse aufzählen:

Wie unterscheiden sich explizit Religiöse von nicht explizit Religiösen bzgl. ihrer Persönlichkeitseigenschaften?

  • Explizit Religiöse wiesen eine signifikant höhere Verträglichkeit auf als die Gruppe der nicht explizit Religiösen.
  • Explizit Religiöse wiesen mehr Neurotizismus auf als nicht explizit Religiöse.
  • Bezüglich Gewissenhaftigkeit, Extraversion und Offenheit für Erfahrung konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen der Gruppe der nicht explizit Religiösen und der Gruppe der explizit Religiösen gefunden werden.
  • Explizit Religiöse weisen eine signifikant höhere Kooperativität auf als nicht explizit Religiöse.
  • Zudem haben explizit Religiöse signifikant höhere Werte auf der Skala Selbsttranszendenz, was der Annahme der Autoren des TCI entspricht, dass Selbsttranszendenz mit Gefühlen mystischer Teilnahme und religiösen Glaubens zusammenhängt.
  • Die Selbstlenkungsfähigkeit hingegen ist bei explizit Religiösen niedriger ausgeprägt als bei nicht explizit Religiösen.

Persönliche Religiosität bzw. das Empfinden, sich einer individuell definierten Religiosität verbunden fühlen, scheint besonders stark mit Gefühlen mystischer Teilnahme und Gefühlen des Verbundenseins mit dem Universum assoziiert zu sein (Skala Selbsttranszendenz). Hier könnte man vermuten dass der religiöse Glaube gerade dann zu etwas „Persönlichem” und „Individuellem” wird, wenn bestimmte transzendente Erlebnisqualitäten erfahren worden sind.

Es hat sich gezeigt, dass es Unterschiede bezüglich der Persönlichkeit von Individuen gibt, wenn man Zusammenhänge zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Religiosität auf verschiedenen Religiositätsebenen untersucht. Entscheidend dafür, welche Zusammenhänge gefunden werden, sind demnach Religiositätsdefinitionen und diesbezügliche Einteilungskriterien. Dass persönliche und implizite Religiosität im Gegensatz zu institutioneller und expliziter Religiosität immer wichtiger werden, wird angesichts der allgemein beobachtbaren gesellschaftlichen Veränderung deutlich.

Lebensbedeutungen bei alkoholabhängigen Menschen: Eine empirische Untersuchung mit dem „Fragebogen zu Lebensbedeutungen”

Beuel, C. (2004). Lebensbedeutungen bei alkoholabhängigen Menschen: Eine empirische Untersuchung mit dem „Fragebogen zu Lebensbedeutungen”. (Unveröffentlichte Diplomarbeit, Universität Trier)

Wie erfahren alkoholabhängige Menschen Lebenssinn? Um diese Frage zu beantworten, wurden in dieser Untersuchung 3 Gruppen miteinander verglichen:

a) alkoholabhängige Menschen in klinischer Behandlung, b) alkoholabhängige Menschen in Selbsthilfegruppen und c) eine gematchte Stichprobe aus der ‚Normalbevölkerung’. Für die Untersuchung wurde der Fragebogen zu Lebensbedeutungen (Erste Version des LeBe, Schnell, 2003) herangezogen.

Die Hypothesenbildung basiert auf existenzanalytischen Vorstellungen und einzelnen empirischen Untersuchungen zu Persönlichkeitsmerkmalen bei Alkoholikern. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse folgende Unterschiede:

Die Alkoholiker der Klinik-Gruppe waren mit ihrem Leben unzufriedener und zeichneten sich durch niedrigere Lebensenergie und Sinnerfüllung aus als die Personen aus der Normalbevölkerung.

Bei spezifischen Lebensbedeutungen wurden ebenfalls Unterschiede gefunden. So legten die Alkoholiker in klinischer Behandlung größeren Wert auf Freiheit, Selbsterkenntnis, Herausforderung, Spaß und Leistung und sahen sich als weniger gesundheitsorientiert als die Kontrollgruppe. Hinsichtlich der übergeordneten Dimension „Selbstverwirklichung” gab es einen weiteren Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Die in Therapie befindlichen Alkoholabhängigen legen demnach größeren Wert auf Lebensbedeutungen, die mit Selbstverwirklichung in Zusammenhang stehen, als die nicht alkoholabhängigen Personen. Dies kann sicherlich auf die therapeutische Intervention zurückgeführt werden, die die Alkoholabhängigen während der Untersuchung durchliefen und in der besonders Aspekte der Selbstverantwortung und des Selbstbewusstseins gestärkt werden.

Beim Vergleich der Klinik-Gruppe mit den Teilnehmern der Selbsthilfegruppe (AA) zeigte sich, dass letztere ihr Leben als sinnerfüllter empfanden. Teilnehmer der AA waren außerdem zufriedener mit ihrem Leben und wiesen eine höhere Lebensenergie auf. Sie haben – im Gegensatz zu den in klinischer Behandlung befindlichen Personen – die Alkoholabhängigkeit bereits ‚unter Kontrolle’, was als Grundlage der optimistischeren Grundhaltung dem Leben gegenüber verstanden werden kann.

Die Lebensbedeutungen Harmonie, Achtsamkeit, Wellness und Selbsterkenntnis bedeuteten den AA- Gruppen-Teilnehmern mehr als Alkoholabhängigen der Klinik-Gruppe. Sie waren außerdem transzendenzorientierter und Lebensbedeutungen, die mit der Dimension Selbsttranszendenz zusammenhängen, waren bei ihnen stärker vertreten. Diese Bereiche sind im Programm der AA verankert und können wohl mit dieser spezifische Art der Selbsthilfegruppen in Beziehung gesetzt werden.

Die Lebensbedeutungen Vernunft und Leistung hingegen waren den Befragten in der Klinik-Gruppe wichtiger als den Teilnehmern der AA.

Rituale und ihre psychologische Bedeutung. Eine empirische Untersuchung.

Uwe Reusch. (2003). Rituale und ihre psychologische Bedeutung. Eine empirische Untersuchung. (Diplomarbeit. Universität: Trier.)

Zusammengefasst von Tatjana Hoffmann:

Die Diplomarbeit von Uwe Reusch befasst sich mit dem Thema „Rituale und ihre psychologische Bedeutung”. Es geht um Lebensbereiche und Ereignisse darin, die eine herausragende Bedeutung für die Leute haben, die sie regelmäßig ausüben, auf besondere (stilisierte) Art zelebrieren. Grundlage der Untersuchung waren 74 halbstrukturierte Tiefeninterviews, die mittels qualitativer Inhaltsanalyse bearbeitet wurden.

Reusch hat festgestellt, dass sich für die Befragten besonders der Leistungsaspekt (Zielerreichung, Erfolg und Anerkennung) sowie hedonistische Elemente (Abwechslung, Abenteuer, Spaß, Freude) in regelmäßigen und bedeutsamen Handlungen ausdrückt. Rituale der Körperpflege, Sport und Fitness sieht er als Ausdruck der Notwendigkeit, im Rahmen der westlichen Leistungsgesellschaft gesund, fit und leistungsfähig bis ins hohe Alter bleiben zu müssen. Hedonistische Rituale versteht er als mögliche Kompensation dieses Leistungsdrucks. Wenn auch seltener, finden sich Rituale doch auch im sozialen Bereich (Altruismus, Hilfsbereitschaft, familiäre Nähe und Liebe).

Rituale zeigen sich auch in Arbeit und Beruf. Gelegenheiten für Ritualisierungen im Arbeitssektor sind z.B. Stilisierungen von Vorträgen, Auftritten und Präsentationen. Dabei werden Bedeutungen assoziiert wie z.B. Selbstpflege, Bewusstheit, Leistung, Kreativität, Entwicklung, Ehrgeiz.

Wiederum als Gegenpol dazu werden auch Entspannung, Wohlgefühl, Anregung, Besinnung, Genuss, Gemütlichkeit und Geborgenheit stilisiert. Beim Aspekt der Gemeinschaft sind den Befragten v.a. gemeinsame Aktivitäten, wie zusammen „etwas essen/trinken”, sei es zu Hause oder im Restaurant, wichtig.

Gemäß den Ergebnissen der Untersuchung zeigt sich, dass Rituale auch in Krisenzeiten an Wichtigkeit gewinnen, als Bewältigungs- oder Übergangrituale. In kognitiv- emotionalen Spannungsmomenten dienen sie als eine Art Katalysator zur Bewältigung z.B. durch Rückzug in sich selbst, Ruhe, Austausch und Loslassen. Rituale haben somit eine Art „Schleusenfunktion” im Alltag. Sie helfen uns den notwendigen Abstand vom Alltag zu bekommen und dann die Integration, bzw. den Anschluss in den Alltag wieder zu erlangen.

Die qualitativ gewonnenen Daten wurden quantifiziert und auf drei Fragen hin untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl explizit wie auch implizit religiöse Menschen Ritualen mehr Bedeutung zumessen als nicht religiöse Menschen. Ebenso zeit sich auch ein Unterschied zwischen den Geschlechtern. So scheinen Frauen über mehr Rituale zu verfügen als Männer.

Die Arbeit schließt mit der Aufstellung einiger Forschungshypothesen bezüglich der Fragen nach der Entstehung von Ritualen und deren allgemeingültiger Funktion.

BR Interview: Warum mache ich das alles?

Markus Köbnik von on3-radio stellt Fragen zum Sinn des Lebens

“Was macht uns glücklich, Geld, Karriere oder die Freunde? Diese Fragen erforscht die Psychologin Tatjana Schnell. Im Interview erklärt sie, wo wir nach Sinn suchen sollten, und warum manche Menschen glücklicher sind als andere…”

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Hier geht es zur Sendung…

Existentielle Indifferenz: Wenn es uns nicht einmal mehr stört, dass unser Leben sinnlos ist…

“Tatjana Schnell shows how we may want to elaborate a new disorder, alongside of a new DSM. In “Existential Indifference: Another Quality of Meaning in Life,” Schnell fills a gap that has long puzzled existential thinkers–how do we characterize people who are neither disturbed nor energized by a life purpose and who appear to be mentally healthy. Schnell calls these people the “existentially indifferent” and sets out to study more about them. I think you will be very intrigued by this article and the rather jarring questions it raises, not only toward the existentially dindifferent but also the society out of which they emerge.”

(Kirk Schneider, Editor’s Commentary, Journal of Humanistic Psychology, 50/3)

Schnell, T. (2010). Existential Indifference: Another Quality of Meaning in Life. Journal of Humanistic Psychology, 50/3, 351-373.

Zusammenfassung:

Existentielle Indifferenz beschreibt einen Zustand geringer Sinnerfüllung, der nicht mit einer Sinnkrise einhergeht. In der existentialistischen Tradition kennt man einen solchen Zustand schon seit langem; die Möglichkeit der quantitativen Erfassung hat es bisher jedoch nicht gegeben.

Durch Anwendung und Verknüpfung zweier Skalen des LeBe (Schnell & Becker, 2007), nämlich Sinnerfüllung und Sinnkrise, kann man existentiell Indifferente empirisch identifizieren. Nach den Daten einer repräsentativen Stichprobe (Studie 1, N = 603) sinkt existentielle Indifferenz mit dem Alter leicht; sie ist besonders häufig bei Singles und Partnern, die unverheiratet zusammenleben.

Existentiell Indifferente zeigen generell wenig Leidenschaft und Engagement; besonders desinteressiert sind sie an Selbsterkenntnis, Spiritualität, Religiosität und Generativität. Dies wirkt sich nicht sichtbar auf die seelische Gesundheit der existentiell Indifferenten aus: Depressivität und Ängstlichkeit z.B. sind ähnlich ausgeprägt wie bei Menschen, die ihr Leben als sinnvoll erfahren. Das subjektive Wohlbefinden der existentiell Indifferenten (positive Stimmung und Lebenszufriedenheit) ist jedoch deutlich geringer ausgeprägt (Studie 2, N = 135).

Inwiefern erleben psychisch erkrankte Personen Sinn in ihren täglichen Beschäftigungen?

Leufstadius, C., Erlandsson, L., Björkman, T.& Eklund, M. (2008). Meaningfulness in Daily Occupations among Individuals with Persistent Mental Illness. Journal of Occupational Science, 15(1), S.27-35

Zusammengefasst von Stephanie Theves:

Inwiefern erleben psychisch erkrankte Personen Sinn in ihren täglichen Beschäftigungen? Diese Frage untersuchten Christel Leufstadius et al. (2008) im Rahmen einer Interviewstudie mit 102 dauerhaft psychisch erkrankten Personen, die sich hinsichtlich ihrer Tagesstruktur unterschieden und so drei Arten täglicher Beschäftigungen repräsentierten: Personen,  die arbeiten oder studieren, Personen, die an einer gemeinschaftsbasierten Aktivität teilnehmen und jene, die keiner regelmäßigen Beschäftigung nachgehen. Die Teilnehmer  der Studie befanden sich zuvor mindestens zwei Jahre in psychiatrischer Behandlung und waren im Alter zwischen 20 und 55 Jahren.

In 30-40 minütigen Interviews wurden die Befragten gebeten die Tätigkeiten, die sie in den vergangenen 24 Stunden ausgeführt hatten, zu beschreiben und zu beurteilen ob sie diese als sinnvoll erlebten oder nicht. Zudem sollten sie erklären warum und in welcher Weise sie die Beschäftigungen als sinnvoll empfinden.

Von den 1435 genannten Tätigkeiten wurden 91% von den Befragten als sinnvoll beurteilt und bei 40% dieser als sinnvoll erlebten Beschäftigungen gaben die Teilnehmer eine Begründung an.  Diese 526 kommentierten Beschäftigungen wurden per  Inhaltsanalyse ausgewertet.

In der Inhaltsanalyse wurden Wörter, Sätze oder ganze Abschnitte der Aussagen analysiert und zu übergreifenden Kategorien zusammengefasst. Die Häufigkeiten, mit denen die einzelnen Kategorien in den Antworten auftauchten, wurden gezählt und so konnten fünf Hauptthemen gefunden werden, die Sinnerleben in täglichen Beschäftigungen beschreiben: 1) Beziehungen zu anderen und ihrer Umwelt, 2) Freude und Spaß im Leben, 3) Produktiv sein und Erfolgserlebnisse haben, 4) Beschäftigt sein und Routinen und Aufgaben  im Verlauf der Zeit haben, 5) Auf sich achten um gesund zu bleiben.

Diese fünf Themen waren in allen drei Gruppen repräsentiert. Die am häufigsten genannten Aspekte waren die Beziehungen zu anderen, Freude und Spaß im Leben und das Achten auf die Gesundheit.

Personen, die arbeiteten oder studierten, nannten häufiger die Beziehungen zu anderen und ihrer Umwelt und machten weniger Aussagen über das Achten auf ihre Gesundheit, als die anderen beiden Gruppen.

Die Teilnehmer einer gemeinschaftsbasierten Aktivität machten mehr Aussagen über Freude und Spaß im Leben als die übrigen Personen. Das könnte dahingehend interpretiert werden, dass diese Aktivitäts-Zentren den Personen erfolgreich die Gelegenheit bieten persönliche Interessen zu verfolgen und Tätigkeiten auszuüben, die ihnen Freude bereiten.

Aussagen zur vierten Kategorie kamen in der Gruppe psychisch erkrankter Personen ohne regelmäßige Beschäftigung  seltener vor als in den anderen Gruppen. Eine Beschäftigung zu haben spielt bei psychisch erkrankten Personen vor allem in der Entwicklung ihrer Identität eine wichtige Rolle (Mee et al., 2004) und kann als menschliches Grundbedürfnis gewertet  werden, um Sinn in der eigenen Existenz zu sehen (Meyer, 1922; Wilcock, 1993).

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass auch psychisch erkrankte Personen Sinn in ihren täglichen Beschäftigungen erleben, auch wenn sich die Tätigkeiten, die dieses Sinnerleben generieren, unterscheiden können.

Psychologische Ressourcen, positive Illusionen und Gesundheit

Taylor, S. E., Reed, M. G., Bower, E.  J., Gruenewald, L. T. (2000). Psychological Resources, Positive Illusions, and Health. American Psychologist, Vol . 55, No. 1, 99-109.

Zusammengefasst von Simone Schmit:

(Schwerpunkt auf dem Aspekt der Sinnfindung.)

In diesem Artikel werden Sinnerfüllung, Optimismus und persönliche Kontrolle – wie bereits Frankl, Seligman und Taylor postulierten – als psychologische Überzeugungen genannt, die die seelische Gesundheit des Menschen schützen; doch wie sieht es für die körperliche Gesundheit aus?

Um dies herauszufinden, untersuchten die Autoren dieses Artikels die Beziehung zwischen psychologischen Überzeugungen und dem Krankheitsverlauf bei HIV- infizierten Männern. Die Untersucher gingen davon aus, dass Optimismus, persönliche Kontrolle und Sinnerfüllung nicht nur protektiv auf die Gesundheit wirken, sondern auch aktiv Einfluss auf die Gesundheit nehmen können – ihr als förderlich dienen.

Folgend begrenze ich mich auf den Aspekt der Sinnerfüllung, um im Rahmen unseres Themas „Lebenssinn” zu bleiben:

Die Autoren gingen davon aus, dass schwierige Ereignisse im Leben positive psychologische Veränderungen mit sich bringen, wenn sie es ermöglichen, Sinn aus einer traumatischen Erfahrung (beispielsweise einer schwere Krankheit) zu schöpfen.  Es wurde schon öfters bestätigt, dass Sinnerleben und Krankheitsverlauf zusammenhängen können.  Affleck und seine Mitarbeiter (1987) fanden heraus, dass Männer, die einen Herzanfall überlebt haben und aus diesem einen Sinn für sich selbst ziehen konnten, weniger gefährdet sind, einen weiteren Herzinfarkt zu bekommen. Janoff- Bulmann und Silver, Boon und Stones haben beschrieben, dass schwierige traumatische Erlebnisse die grundlegenden Überzeugungen, die jeder über sich selbst und die Welt hat, beeinflussen können – was dazu führen kann, dass diese Überlegungen sich dahingehend verändern, dass ein traumatisches  Ereignis einen Sinn erhalten kann und dieser für den Betroffenen spürbar  ist. Auf diesen Aussagen basierend untersuchten die Autoren  40 HIV infizierte Männer, die gerade den Verlust eines guten Freundes oder Partners durch Aids erfahren haben. Sie untersuchten diese, weil der gerade erlebte Verlust ein traumatisches Erlebnis darstellt, welche Auswirkungen auf das Immunsystem der Erkrankten haben kann. Ein solcher Verlust kann ungünstige Auswirkungen haben, indem er negative Erwartungen bezüglich der eigenen Krankheit hervorruft und dies den Krankheitsverlauf verschlechtert. Daher konnte untersucht werden, ob dies auch der Fall ist, wenn jemand einen Sinn in diesem Verlust sieht. Negative Erwartungen könnten beispielsweise ausbleiben, was sich wiederum schützend auf die Gesundheit auswirkt. Um diese Annahmen  zu bestätigen, wurden die Männer interviewt. Im Folgenden einige Aussagen, die die Männer machten:

„Was sein Tod bewirkte ist, dass er andere Werte in mir hervorbrachte, die mein Verhalten so änderten, dass…”

“Verbringe mehr Zeit mit den Menschen, die dir etwas bedeuten”

„Ich würde sagen, sein Tod verstärkt meinen Glauben.”

Nur 3 der 16 Männer, welche Sinnerfüllung durch das traumatische Erlebnis erfahren haben, starben in einer bestimmten, auf das Interview folgenden Zeitperiode. Hingegen starben die Hälfte jener Personen, die keinen Sinn in dem Ereignis sahen, in dieser Zeit. Dies zeigt, dass Sinnfindung dazu führen kann, auch traumatische Ereignisse aus einer anderen Perspektive zu sehen – als hätte man daraus eine Lehre gezogen und würde dadurch nun bewusster leben.

Allgemein lässt sich sagen, dass Ressourcen wie Sinnerfüllung, Glaube an persönliche Kontrolle und Optimismus nicht nur dem Menschen helfen, sich an stressvolle Situationen anzupassen, sondern auch ihre Gesundheit schützen!

Lebenssinn und Krankenhausaufenthalt – passen diese Begriffe zusammen?

Stolovy, T. Lev-Wiesel, R. Doron, A. & Gelkopf, M. (2009). The meaning in life for hospitalized patients with schizophrenia. Journal of Nervous and Mental Disease, 197, S. 133-135.

Zusammengefasst von Daniela Paterno:

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie sich  jahrelange Krankenhausaufenthalte auf das Wohlbefinden von Menschen mit psychischen Störungen auswirken können?

Die israelischen Autoren haben dieses Thema genauer unter die Lupe genommen und mit 60 Patienten des „Lev Hasharon Medical Center” in Israel eine Untersuchung gestartet. Alle Patienten litten laut ICD-10 unter „Schizophrenie”. Darunter versteht man eine Krankheit, die mit den untenstehenden Merkmalen einhergeht. Von einer krankhaften Diagnose darf erst gesprochen werden, wenn mindestens zwei der folgenden  Merkmale zutreffen und diese über einen Zeitraum von einem Monat vorhanden sind:

  • laute Gedanken, Gedankeneingebung von außen (z.B. Gott, Außerirdische)
  • verschiedene Formen von Wahnvorstellungen (z.B. Kontrollwahn, Beeinflussungswahn, Wahn über Wetterkontrolle)
  • tägliche Halluzinationen jeder Sinnesmodalität
  • Gedankenabreißen oder Einschiebungen in den Gedankenfluss
  • Symptome wie Erregung, Haltungsstereotypien oder wächserne Biegsamkeit, Mutismus und Stupor
  • Symptome wie Sprachverarmung und verflachte oder unangepasste Affekte

In dieser Untersuchung nahmen  49 Männer und 11 Frauen im Alter zwischen 18 und 60 Jahren teil. Mehr als die Hälfte der PatientInnen befand sich schon länger als ein Jahr in einem Krankenhaus. Die Autoren verwendeten in der Untersuchung eine Vielzahl von Verfahren zur Messung von Lebenssinn („Purpose in Life Questionnaire” von Crumbaugh and Maholick, 1968), Lebensqualität („QLESQ-18″ von Ritsner et. al., 2005), Depressivität („BDI-FS” von Beck et al., 1997) sowie Medikamenteneinnahme („DAI-10″ von Hogan et al., 1983).

Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebensqualität positiv durch den Lebenssinn und negativ durch das Ausmaß von Depressivität beeinflusst wird.

In Bezug auf den Krankenhausaufenthalt fanden die Autoren heraus, dass der Lebenssinn umso stärker ausgeprägt ist, je länger der Krankenhausaufenthalt andauert! Bei der Frage nach dem Warum stoßen die Autoren unter anderem auf die Tatsache, dass PatientInnen mit Schizophrenie außerhalb der Krankenhauswände oft isoliert, einsam und verarmt leben. Längere Krankenhausaufenthalte bieten ihnen die Möglichkeit, engere Bindungen mit anderen Personen, wie z.B. Psychotherapeuten, aufrechtzuerhalten.

Was könnten nun diese Ergebnisse für den klinischen Alltag in Krankenhäusern bzw. Psychiatrien bedeuten? Für mich persönlich bedeutet es, dass man für die Nachhaltigkeit des Sinnerlebens zusätzlich die sozialen Kontakte außerhalb der Krankenhauswände stärken müsste. Weiters sollte man das gewonnene Wissen um den Einfluss des Lebenssinns noch besser in therapeutische Maßnahmen einbauen, um auch Patienten mit kurzen Krankenhausaufenthalten durch „Sinnerfahrungen” zu stärken.

Die Suche nach dem Sinn bei Suchtkranken

Zusammenfassung verschiedener Studien – als Ergänzung zum Artikel „Sinn-Gruppe” als Therapiemethode?

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Viele Alkohol- bzw. Drogenabhängige sprechen davon, dass sie keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen bzw. diesen verloren glauben. Deshalb scheint es interessant auf dieses Thema näher einzugehen.

Dies ist die Zusammenfassung der Ergebnisse einiger Studien, welche sich mit der Sinnfrage in der Therapie mit Suchtkranken befassen bzw. zu erfassen versuchen, warum die Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebenssinn, Spiritualität und Religiosität besonders bei Alkohol- und Drogenpatienten wichtig ist.

In einer Untersuchung von Robinson et al. (2007) wurden 123 alkoholabhängige Patienten mit unterschiedlichen Verfahren hinsichtlich ihren täglichen spirituellen Erlebnissen, ihres Trinkverhaltens und Glaubens befragt. Weiters wurde ihnen der „Purpose in Life” – Test vorgelegt. Es zeigte sich, dass es in den ersten 6 Monaten während der Therapie beispielsweise zu einem Anstieg der spirituellen Erlebnisse und der subjektiven Einschätzung des Lebenssinns kam. Diese beiden Faktoren stehen auch in Zusammenhang mit Alkoholabstinenz.

Tilton Robert (2006) untersuchte die Wichtigkeit des Konstrukts „Purpose in Life” (Lebenssinn) in der Therapie von Alkoholpatienten. Er kam zu dem Ergebnis, dass Lebenssinn signifikant in Zusammenhang mit der Teilnahme an den Treffen der anonymen Alkoholiker steht, was wiederum in Zusammenhang mit Alkoholabstinenz gesetzt werden kann. Auch die weiteren Ergebnisse dieser Studie erbringen Beweise für die Wichtigkeit der Aufnahme und Bearbeitung des Themas „Lebenssinn” in der Behandlung von Suchtkranken.

In einer Studie von Chen Gila (2006) an israelischen, alkoholabhängigen Gefangenen fand man heraus, dass es bei längerer Alkoholabstinenz zu einem Anstieg von Kohärenz und Lebenssinn kommt, sowie zu einer Reduktion von Angst und Depressivität.

Young Hall et al. (2001) sprachen in ihrer Studie davon, dass es für Alkohol- bzw. Drogensüchtige wichtig ist, dass diese während der Therapie einen Glauben an eine höhere Macht entwickeln bzw. beginnen sich mit ihrem Glauben auseinander zu setzen, da dies eine Voraussetzung dafür sei, einen befriedigenden Lebenssinn für sich zu finden. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben bzw. der eigenen Spiritualität wird gefördert, indem der Patient die Herrschaft über die Krankheit und über sich selbst wieder gewinnt und seine Sicht auf die Welt verändert.

„Sinn-Gruppe” als Therapiemethode?

Kern P. (1992). Eine „Sinn-Gruppe” als Zusatzangebot bei der stationären Behandlung von Suchtkranken. Sucht 38, S. 173-179

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Für die Therapie und den Therapieerfolg von Suchtkranken spielt die Beantwortung von Sinnfragen eine wichtige Rolle. In einer Fachklinik für Suchtkranke wurde den Patienten angeboten, freiwillig bei einer „Sinn-Gruppe” teilzunehmen. In den Gruppensitzungen wurden verschiedene Themen behandelt, wie beispielsweise Freiheit, Entscheidungen, Gewissen und Sinn. In verzweifelten Situationen soll es den Teilnehmern möglich sein, sich an die Aussagen und Gespräche zu erinnern, die in der Gruppe stattgefunden haben.

Als Basis dieser „Sinn-Gruppe” wurde das von Victor E. Frankl entwickelte Menschenbild verwendet. Für Frankl sind wir alle Wesen, die von vornherein auf der Suche nach Sinn sind und sein Menschenbild weist darauf hin, dass auch verzweifelte und scheinbar aussichtlose Situationen noch Möglichkeiten zur Sinnfindung bieten.

Da die Teilnehmeranzahl zu gering war, konnten keine statistischen Aussagen abgeleitet werden, allerdings lässt sich feststellen, dass ein sehr großes Interesse der Beteiligten vorhanden war, dass diese die „Sinn-Gruppe” als sehr wichtigen Teil ihrer Therapie ansahen und dass die Gespräche innerhalb Gruppe hilfreich waren für die Beantwortung eigener Fragen. Die Teilnehmer der Gruppensitzungen füllten zu Beginn der Therapie in der ersten Gruppenstunde den „Purpose in life” Test nach Crumbaugh & Maholick (1964) aus. Es ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen den Werten der „Sinn-Gruppe”-Patienten und denen von Nicht-Patienten im Hinblick auf die Sinnperspektive. Die Gruppenteilnehmer empfanden ihr Leben deutlich wertloser, sie gaben an, nicht zu wissen, warum sie da sind und dass sie in ihrem Leben keine verantwortungsvollen Aufgaben sehen. In einem abschließenden Beurteilungsbogen nach der Therapie gaben die Gruppenteilnehmer an, dass sie durch die Hilfe der „Sinn-Gruppe” ihr Leben in Zukunft sinnvoller und verantwortungsbewusster werden gestalten können.

Was halten Sie von einer solchen „Sinn-Gruppe” als Teil einer Therapie? Können sich Ihrer Meinung nach neue Sinnperspektiven auftun, wenn man in der Gruppe über das Thema spricht?

Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns

Schnell, Tatjana (2009). Implizite Religiosität – Zur Psychologie des Lebenssinns. Lengerich: Pabst Science Publishers.

Überarbeitete Neuauflage

Was trägt uns im Leben? Was leitet unsere Gedanken, unser Verhalten, unsere Gefühle? Welche letztgültigen Bedeutungen liegen unserem Leben zugrunde?

Vielfältige Studien haben gezeigt, dass diese letztgültigen Bedeutungen – wir nennen sie Lebensbedeutungen – fünf Bereichen zugeordnet werden können:

  1. Selbsttranszendenz: Überschreitung eigener Bedürfnisse und Orientierung an einem größeren Ganzen (vertikal: an einer jenseitigen Macht)
  2. Selbsttranszendenz: Überschreitung eigener Bedürfnisse und Orientierung an einem größeren Ganzen (horizontal: an diesseitigen größeren Zusammenhängen)
  3. Selbstverwirklichung: aktive Entwicklung eigener Potentiale
  4. Ordnung: Bewahrung und Mäßigung
  5. Wir- und Wohlgefühl: Erlangen und Erhalten von körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefinden

Dabei ist Selbsttranszendenz der beste Prädiktor für ein sinnerfülltes Leben. Hilfreich ist es aber auch, wenn nicht nur eine, sondern mehrere Lebensbedeutungen verfolgt werden. Und noch besser, wenn diese aus unterschiedlichen Bereichen stammen!

(S. auch Schnell, 2008 ).

Diejenigen Lebensbedeutungen, die für einen Menschen sehr zentral sind, werden häufig in ‘typisch religiösen’ Formen ausgedrückt: Sie sind wichtiger Bestandteil des (persönlichen) Mythos; sie werden regelmäßig im Handeln umgesetzt, in (persönlichen) Ritualen; und sie können Transzendierungserfahrungen erleichtern – also solche Momente, in denen wir für einen Moment über uns selbst hinauswachsen, uns selbst vergessen, eins werden mit der Welt…

In dem Buch werden persönliche Mythen, persönliche Rituale und Transzendierungserfahrungen ausführlich erläutert. Ihre empirische Erhebung wird beschrieben, Zusammenhänge untereinander und mit anderen Variablen werden dargestellt. Im zweiten Teil des Buches wird der Übergang von qualitativer zu quantitativer Forschung beschrieben: So wurde der Fragebogen zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe; Schnell & Becker, 2007) aus den qualitativen Ergebnissen heraus entwickelt.

Das Buch enthält sehr viele statistische Informationen; es ist für Nicht-WissenschaftlerInnen daher sicherlich kein angenehmer Lesestoff…

Deutsche in der Sinnkrise?

Schnell, Tatjana (2008). Deutsche in der Sinnkrise? Ein Einblick in die Sinnforschung mit Daten einer repräsentativen deutschen Stichprobe. Journal für Psychologie, 16(3), Artikel 09.

Frei zugänglich: Journal für Psychologie

Befinden sich die Deutschen in einer Sinnkrise – wie es Kanzlerin Merkel 2005 andeutete? Nach einem kurzen Überblick über den Stand der Sinnforschung und Differenzierungen des Konstrukts Lebenssinn werden die Ergebnisse einer Untersuchung an einer repräsentativen deutschen Stichprobe (N = 603) anhand des Fragebogens zu Lebensbedeutungen und Lebenssinn (LeBe; Schnell & Becker 2007) vorgestellt.

Es zeigt sich eine relativ geringe Punktprävalenz (4%) von Sinnkrisen, wozu jedoch auch nicht zufällig fehlende Werte beigetragen haben können. Ein Drittel der Stichprobe erweist sich als existentiell indifferent, ein neu eingeführtes Konstrukt, das Menschen beschreibt, die ihr Leben weder als sinnerfüllt erfahren, noch unter einem Sinnmangel leiden. Die skalierten Lebensbedeutungen sind bei diesen Personen insgesamt geringer ausgeprägt als bei denjenigen, die unter einer Sinnkrise leiden; die geringste Ausprägung findet sich bei der Skala Selbsterkenntnis. Eine Vielzahl von Lebensbedeutungen trägt zur Sinnerfüllung der Deutschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts bei. Am stärksten ausgeprägt sind Moral, Harmonie, Fürsorge, Entwicklung und Gemeinschaft. Sehr wenig verbreitet hingegen ist Explizite Religiosität, gefolgt von Spiritualität.

Analysen des Zusammenhangs von Art und Anzahl der Lebensbedeutungen mit dem Ausmaß der subjektiven Sinnerfüllung sprechen dafür, dass Sinnerfüllung umso stärker erlebt wird, je mehr Selbsttranszendenz (Tiefe) die charakteristischen Lebensbedeutungen umfassen. Sinnerfüllung steigt zudem mit der Anzahl charakteristischer Lebensbedeutungen (Breite), und sie ist umso stärker, je unterschiedlicher diese Lebensbedeutungen sind (Balanciertheit).

Ist Sinn noch aktuell?

Hier ein ausführlicher Bericht über eine Studie dazu, wann man sich überhaupt mit Sinnfragen beschäftig. (Für alle, die ein wenig mehr Zeit haben!)

Tutsch, L., Drexler, H., Wurst, E., Luss, K., Orgler, C. (2000). Ist Sinn noch aktuell? Existenzanalyse, 3, 4-16.

Zusammengefasst von Simone Schmit:

Tutsch, Drexler, Wurst, Luss und Orgler gingen bei ihrer Untersuchung davon aus, dass ohne persönliche Motivationen keine Sinnfindung möglich ist. Sie bezogen sich dabei auf die von A. Längle (1992) beschriebenen Grundmotivationen. Auf grundlegenden menschlichen Bedürfnissen basierend, gründen diese Motivationen auf:

  • Einem Ja zur Welt - zu den Gegebenheiten in denen wir uns befinden
  • Einem Ja zum Leben- zum Erleben mit allen positiven und negativen Gefühlen.
  • Einem Ja zu sich selbst – zu unserer ganz eignen Art- wie wir selbst sein möchten und wie wir uns entfalten.
  • Einem Ja zum Sinn, d.h. unsere Offenheit gegenüber dem, wo wir uns selbstverwirklichen wollen oder  gar Sinnerfüllung erfahren könnten.

Es gibt jedoch Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um eine Befriedigung dieser Bedürfnisse überhaupt zu ermöglichen:

  1. Halt und Schutz
  2. Zuwendung
  3. Wertschätzung und Anerkennung

müssen vorhanden sein, damit der Einzelne nach seinen Motiven lebt und dies ihm den Weg zur Sinnfindung eröffnet.

Wie man in der psychotherapeutischen Praxis sehen konnte, sind es genau diese Voraussetzungen,  die bei Patienten mit seelischen Störungen nicht vorhanden sind; diese sind oftmals auf der Suche nach Halt, Schutz, Zuwendung oder Anerkennung; ihre Bedürfnisse bleiben unerfüllt, da die Voraussetzungen nicht vorhanden sind.

Wie ist es dann bei Menschen ohne seelische Störung- suchen auch sie eher nach der Erfüllung der Vorrausetzungen oder ist der Weg zur Sinnfindung das wesentliche Ziel? Worin liegen die Grundmotivationen im alltäglichen Leben und sind sie uns wichtiger als das Sinnerleben an sich? Um dies herauszufinden wurde die Wiener Bevölkerung mittels Interviews und Fragebögen untersucht. Es gab 2 Gruppen, von jeweils 100 Personen- die eine bestehend aus nicht seelisch erkrankten Personen- die zweite aus Personen, die in psychotherapeutischer Behandlung sind. Zunächst ging es darum, worin die Befragten ihre persönlichen Motivationen sehen- was bewegt sie im Alltag. Bei der Befragung wurden 4 Themenbereiche am häufigsten genannt:

  1. Hauptbeschäftigung (der Lebensbereich des Berufes, der täglichen Beschäftigung)
  2. Familie
  3. Physisches und psychisches Befinden (körperliche und seelische Gesundheit)
  4. Eigenes Wohlergehen (Besitz, materielle Sicherheit).

Nun ging es den Untersuchern aber vor allem auch darum, was die genauen Beweggründe sind, wieso sich die Personen mit genau diesem Thema beschäftigen- wieso ihre Motivation gerade darin liegt. Nach der Anfangsfrage, was den Menschen bewegt (Was beschäftigt sie derzeit innerlich am meisten?) wurden die Personen gefragt was genau sie an diesem Thema beschäftigt. Antwortete ein Proband zum Beispiel auf die erste Frage: Beruf, so wurde sie nach den genauen Beweggründen welche beispielsweise eine Aussage über die schlechten Arbeitsbedingungen sein könnte, befragt. Folgend wurde dann der emotionale Aspekt erkundet: was löst es gefühlsmäßig in ihnen aus? keine Freude, Wut, Ärger könnte hier die Antwort lauten.

Die Ergebnisse die sich aus der ersten Frage ergeben, zeigen, dass Menschen mit psychischer Störung ihre Aufmerksamkeit in den Bereich der Familie lenkten, während die andere Gruppen offenbar  schon über Sicherheit und Stabilität in diesen Bereich verfügt und daher frei ist für die Auseinandersetzung im beruflichen Tätigkeitsbereich; ihre alltägliche Motivation liegt in dem Bereich der Hauptbeschäftigung.

Aus den Antworten der weiterführenden Fragen ergaben sich folgende Ergebnisse: Die Selbstentfaltung bildet den Schwerpunkt dessen, was die befragten Personen bewegt. In der Auseinandersetzung mit sich selbst, der Selbstfindung und Selbstverwirklichung liegt die Motivation. Der zweite Schwerpunkt sind Bedürfnisse nach Nähe, und Geborgenheit. Die Menschen scheinen heute ihrer Einbettung in eine warme Umgebung weniger Bedeutung beizumessen als ihrer Selbstentfaltung. Wenig Beachtung schenken die Befragten dem Thema Sicherheit auf der Welt; auch die Frage nach dem Sinn scheint die Menschen weniger zu interessieren.

Es gibt einige Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Zwar ist für beide das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung von großer Bedeutung, jedoch für Personen mit seelischer Erkrankung sind Bedürfnisse nach Nähe und Geborgenheit am wichtigsten. Dies spiegelt sich darin wieder, dass seelisch kranke Menschen der  Themenbereich der Familie am meisten bewegt. Interessant scheint mir, dass bei der klinischen Gruppe Sicherheit auf der Welt und vor allem die Frage nach dem Sinn sehr in den Hintergrund rückt- gar ganz ausgeblendet wird, während bei der gesunden Gruppe alle Bereiche  zumindest eine gewisse Wichtigkeit zugewiesen bekommen- auch die Frage nach dem Sinn. Vergröbernd  kann man sagen, dass gesunde Menschen im Einklang sind mit all ihren Bedürfnissen, sodass das Erleben von Sinn auch ins Blickfeld rücken kann. Bei seelisch Kranken sind Bedürfnisse nach Nähe und Selbstverwirklichung so bedeutsam, weil genau hier Defizite und Verletzungen erlebt werden, die die bewusste Auseinandersetzung mit ihnen fordern. Solange eine Person sich problematisch mit einer Grundmotivation beschäftigt bleibt sie an ihr haften und verschließt sich für tiefgehendere  Fragen- so wie die nach dem Lebenssinn. Vereinfacht gesagt, ist das Erleben von Sinn noch nicht ins Blickfeld gerückt, da andere Fragen im Leben, beispielweise die Familie oder den Beruf betreffend als elementarer erscheinen und keinen Platz frei räumen für die Sinnfindung.

Wirft man einen Blick auf das Geschlecht, Alter, den Familienstand und Beruf der Befragten, dann kann man überspitzt sagen, dass für einen großen Teil der Menschen die Selbstentfaltung im Vordergrund steht- es sind dies im besonderen Menschen, die heutzutage mitten im Lebens-bzw. Leistungsprozess stehen, 30-50 jährige, beruflich aktive Menschen, deren Familienstand es ihnen erlaubt sich selbst in den Mittelpunkt zu rücken.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass es dem Menschen in erster Linie, darum geht die Voraussetzungen für die Sinnfindung zu verwirklichen als wirklich zur Sinnfindung zu gelangen. Fragen wie – wer bin ich, wie bin ich und was passt zu mir beschäftigen den Menschen und dies zeigt, dass Individualität der vorherrschende Wert für den Menschen ist. Den Sinn im Leben zu finden scheint nicht jedem wichtig zu sein. Nicht jeder scheint dafür bereit zu sein. Wie ist es mit deinem Weg zum Sinn?

- Lebst du noch, oder suchst du schon? -

Sinn, Lebenssinn, Sinnlosigkeit – Was versteht man darunter?

Auhagen, A.E. (2000). On the psychology of meaning of life. Swiss Journal of Psychology, 59/1, S. 34-48.

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Hat mein Leben einen Sinn? Erlebe ich mein Handeln als sinnvoll? – Dies sind Fragen, die sich sicherlich jeder in seinem Leben mindest einmal stellt. Aber auch in der Wissenschaft der Psychologie, sowie vielen weiteren Wissenschaften wird über das Thema Sinn nachgedacht und berühmte Psychologen leisten wichtige Beiträge zur „Sinnforschung“.

Ann Elisabeth Auhagen schreibt in ihrem Übersichtartikel, dass beispielsweise der Psychologe Victor Frankl, welcher das KZ überlebte, sagte, dass jeder Mensch Sinn im Leben braucht, um daraus Kraft und Energie zu schöpfen, um zu überleben. Diese Art Sinn muss jeder Mensch für sich selber finden und dies kann nicht erzwungen werden. Weitere wichtige Namen, welche sich der wissenschaftlichen Erforschung des Sinns zuwendeten, sind Maslow, Baumann, Antonovsky, Wong und Reker.

Man hat nachweisen können, dass es möglich ist, Lebenssinn durch Fragebogenstudien oder Interviews zu erheben. In Interviews wurden die sozialen Beziehungen zu anderen Menschen am häufigsten als sinnstiftendes Element genannt.

In wissenschaftlichen Untersuchungen fand man heraus, dass erlebtes Sinnlosigkeitsgefühl zu Depression, Stress, Lethargie, psychosomatischen Symptomen etc. führen kann. Besonders Menschen in kritischen Lebenssituationen, wie beispielsweise in einer Trauersituation, scheinen anfällig für Sinnlosigkeits- und Hilflosigkeitsgefühle.

Weiters wurde auch der Zusammenhang zwischen Religion und Lebenssinn erforscht und man fand heraus, dass Menschen, die an Gott glauben, größere persönliche Lebensbedeutung für sich sehen.

Obwohl es empirische (= auf methodischem Weg gewonnene) Befunde und verschiedene Theorien dazu gibt, was als Lebenssinn angesehen werden kann und welche Sinnquellen dorthin führen, hat schlussendlich doch jeder Mensch eine ganz persönliche Auffassung darüber, wodurch er bzw. sie Sinn im Leben erfährt.

Und was ist in ihrem Leben sinnstiftend?

Was berühmte Leute über den Sinn des Lebens gesagt haben

Richard T. Kinnier, Jerry L. Kernes, Nancy E. Tribbensee & Christina M. Van Puymbreck, 2003, “What Eminent People Had Said About The Meaning Of Life”, Journal of Humanistic Psychology 2003, 43, 105- 118

Zusammengefasst von Tatjana Hoffmann:

Wie denken und dachten eigentlich große, berühmte, bedeutende Menschen wie Albert Einstein, Muhamad Ali, Jenis Joplin, Bob Dylan und natürlich Mutter Theresa, Martin Luther King sowie Mohandas Ghandi über die Frage nach dem Sinn des Lebens??

195 bedeutende Menschen, darunter 144 Männer und 51 Frauen wurden von einem Team aus vier, auf diesem Gebiet bewanderten Psychologen, untersucht. Es wurden Leute vor dem 19. Jhd., aus dem ausgehenden 19. und z.T. noch lebende Menschen des 20. Jhd. für die Untersuchung herangezogen. Das Kriterium bei dieser Auswahl lag auf der Bekanntheit aber auch der Achtung und dem Respekt, dieser Personen in der Öffentlichkeit. Die vier Forscher haben aus Antworten noch lebenden Berühmtheiten, Aussagen von Personen- Experten und der Literatur, 238 Zitate exzerpiert, die sich auf das Sinnverstehen beziehen. Zehn folgende Kategorien fassen all dies zusammen. Lassen Sie sich überraschen wie vielfältig und doch einfach auch die großen Persönlichkeiten diese Frage für sich beantwortet haben. (Die angeführten Personen sind hier als Beispiele unter vielen anderen angeführt.)

Die meisten Aussagen ließen sich der Kategorie „Das Leben genießen, erfahren und erforschen. Den Augenblick genießen. Die Lebensreise.” Unterordnen. Hierzu äußerten sich u.a. Janis Joplin, Thomas Jefferson, Sinclair Lewis und Eleanor Roosevelt. Janis Joplin ist für den Ausspruch bekannt: „You got to get it while you can”, im Sinne von: Mach es solange du kannst.

Die zweithäufigste Kategorie ist im Leben zu „zu lieben, zu helfen oder anderen zu dienen. Mitgefühl erleben oder zeigen.” Dies hießen Leuten wie Albert Einstein, Mohandas Ghandi, Dalai Lama, Albert Schweitzer und Jean Jaques Rousseau gut. Einstein meinte z.B., dass nur ein Leben, das für andere gelebt wird, ein würdiges, wertvolles Leben ist. Viktor Frankl sagt, dass Liebe das ultimative Ziel ist, das der Mensch anpeilen kann. Die Erlösung/ Seelenheil des Menschen ist durch die Liebe und in der Liebe.

Eine weitere Einordnung ist unter der Annahme: „das Leben ist ein Mysterium”. Davon gingen u.a. Bob Dylan, Albert Einstein, Betty Friedan, Napoleon und Stephen Hawking aus. Der letztere äußerte sich in etwa so: Wenn wir eine Antwort finden würden, wieso wir und das Universum existiert, würden wir das Gedankengut Gottes durchschauen.

Weniger optimistisch sind Aussagen die sich der Kategorie „Das Leben ist Sinnlos” zuschreiben lassen.  Arthur Schopenhauer sagte einmal: „Es ist sinnlos, das wir geboren sind; es ist sinnlos, dass wir sterben”. Diese Gruppe schließt u.a. Sigmund Freud, Franz Kafka, Jean Paul Sartre und Bertrand Russel mit ein.

„Gott dienen oder ihn würdigen und/oder sich auf das nächste Leben vorbereiten” haben Mohandas Ghandi, Martin Luther King, Mother Theresa und Dalai Lama, aber auch Muhammad Ali und Nelson Mandela, als Aufgabe für sich bestimmt.

„Das Leben ist ein Kampf.” Dieser Ansicht war z.B. Charles Dickens.

„Im Leben einen Beitrag zu etwas machen, das viel großartiger ist, als wir selbst”, war das Ziel von Ralph Waldo Emerson, Benjamin Franklin, Margaret Mead und Richard Nixon. Emerson glaubte, dass unsere Aufgabe darin besteht, die Welt ein Stückchen besser zu hinterlassen. Horace Mann meinte, dass es eine Schande zu sterben sei, solange man noch keinen Kampf für die Menschlichkeit gewonnen hat.

Zwei Kategorien beziehen sich auf die eigene Entwicklung. „Das Streben nach Wahrheit, Weisheit, einer höheren Sinnesebene. Den eigenen Sinn finden.” Obwohl sich hier nur wenige einreihen lassen sind es doch Leute wie Erich Fromm, Friedrich Nietzsche sowie auch damals Plato.

„Das Leben ist absurd oder es ist ein Witz”. Wen würden sie unter dieser Kategorie vermuten.  Genau. Charlie Chaplin neben Bob Dylan, Lou Reed und Oskar Wilde. Chaplin beschrieb das Leben mal so: eine Tragödie von Nahem und eine Komödie aus der Entfernung.

Wir sehen hier, dass die Frage nach dem Sinn des Lebens weiterhin die eines jeden einzelnen von uns bleibt. Vielleicht findet sich der eine oder andere von ihnen hier eine Anregung für sich. Obwohl das Leben manchmal unfair und gemein, absurd oder gar lächerlich ist, so sollten wir es doch als eine Chance wahrnehmen uns selbst und die Welt zu erleben. Nach Wahrheit, Weisheit und Liebe zu suchen. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass es im Leben eines jeden von uns einen Sinn gibt und, dass wir alle Teil eines größeren Ganzen sind.

Sinn in monotoner Arbeit?

Quelle: Isaksen, J. (2000). Constructing Meaning despite the Drudgery of Repetitive Work. Journal of Humanistic Psychology, 40, 84-107.

Zusammengefasst von Jessica Färber

Gibt es wirklich die Möglichkeit, eine monotone Tätigkeit unter ungünstigen Arbeitsbedingungen als sinnvoll zu empfinden? Nach Isaksens qualitativer Studie (2000) geben drei von vier Angestellten eintöniger Jobs an, dies zu tun. Ihm zufolge kann man sich aktiv und durch kontinuierliche Bemühungen seinen eigenen Sinn schaffen. Dieser kann verschiedene Bereiche betreffen, die im Arbeitsleben als bedeutend empfunden werden.

Psychologische und körperliche Beschwerden bei eintönigen Jobs:

Körperliche und psychische Symptome entstehen genau dann, wenn die Anforderungen der Arbeit nicht mit den Bewältigungsmöglichkeiten des Arbeiters übereinstimmen. Bei sich wiederholenden Arbeitsabläufen kann der Fall eintreten, dass die psychischen Anforderungen an ArbeiterInnen hoch sind, ihre Entscheidungsfreiheit jedoch gering. Diese Personen leiden schließlich unter körperlichen Beschwerden sowie genereller physischer Erschöpfung nach einem langen Arbeitstag. Aber auch psychische Symptome wie Verlust an Selbstwertgefühl und Passivität bis hin zu Depressionen sind mögliche Folgen, welche sich auch auf die Familie übertragen können.

Reduziert Sinnerleben das persönliche Stressniveau?

Die qualitative Studie von Isaksen (2000) zeigt große Unterschiede zwischen Personen, die ihre Arbeit als sinnvoll und jenen, die ihre Arbeit als sinnlos erleben. Unter Letzteren sind Langeweile, eine negative Einstellung zur Arbeit und geringes Selbstwertgefühl weit verbreitet. Auch Hoffnungslosigkeit, ein negatives Selbstbild und geringes Vertrauen in die Zukunft gehen mit Sinnlosigkeit im Beruf einher. Dennoch schaffen es 75 % der Befragten, Sinn in ihrer monotonen Tätigkeit zu erfahren. 82% würden sogar weiter ihrem Beruf nachgehen, wenn sie für das gleiche Gehalt zuhause bleiben könnten. Es ist nicht einfach, sich unter ungünstigen Arbeitsbedingungen selbst einen Sinn zu schaffen. Um etwas zu verändern, muss als Grundlage der Wille zum Sinn vorhanden sein.

Möglichkeiten Sinn in monotonen Berufen zu erleben:

Jeder Mensch kann selbst zu seinem persönlichen Sinn beitragen, beispielsweise durch Freude etwas Neues zu Lernen, Verantwortungsgefühl oder Stolz.

Die Befragten der Studie gaben am häufigsten folgende Bereiche als sinnstiftend an:

-          Sinnempfinden durch Verbundenheit zum Arbeitsplatz. Dies zeigt sich, wenn die Verbindung zum Arbeitsplatz positive Auswirkungen auf die Identität und Selbstachtung von ArbeiterInnen hat. Man erlebt einen ausgeprägten Teamgeist oder hat mitunter das Gefühl wichtig für verschiedene Arbeitsabläufe zu sein.

-          Sinnerleben durch soziale Beziehungen bei der Arbeit. Die Person pflegt auf der einen Seite ihre sozialen Kontakte, indem sie rücksichtsvoll mit Problemen anderer umgeht und sich aufgeschlossen zeigt. Auf der anderen Seite nimmt sie diese auch bei privaten und beruflichen Problemen für sich in Anspruch und profitiert daraus.

-          Sinn durch Betrachtung der Arbeit als einen essentiellen Teil eines größeren Zusammenhangs. Das Leben ist durch mehrere Bereiche geprägt, zwei davon sind Familie und Arbeit. Hierbei ist die Familie für viele der fundamentale Beweggrund zu arbeiten. Man verdient Geld, um Kinder und möglicherweise den Partner/die Partnerin zu versorgen. Trotz der Tatsache, dass Familie und Arbeit oftmals im Konflikt zueinander stehen, stellt die Familie an sich oft den Beweggrund dar, die Arbeit im Gesamtkontext als sinnvoll zu betrachten.

Was bedeutet das für mich?

Von allen Befragten gab niemand an, das „bloße Geldverdienen“ als sinnvoll zu empfinden. Erst, wenn es für etwas Befriedigendes ausgegeben wird, wie für die Familie oder auch Träume, die man verwirklichen möchte, wird Geld sinn-relevant. Wenn das Hauptziel des Arbeitens also im Geldverdienen an sich liegt, wird dies wenig zur Sinnerfüllung am Arbeitsplatz beitragen. Versuchen Sie, Ihren persönlichen Sinn zu stärken, auch wenn dies für Sie aufgrund der aktuellen Arbeitsbedingungen schwierig zu sein scheint. Bemühen Sie sich soziale Beziehungen in der Arbeit aufzubauen, und Ihre Arbeit als Teil eines größeren Zusammenhangs zu sehen.

„Sinn kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.“ (Frankl)

Religiosität und Lebenseinstellung / Sinnempfinden

Zusammenfassung des Artikels “Religious orientation and meaning in life: An exploratory Study” von Earnshaw, E.L. (2002)

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob es irgendeinen Zusammenhang zwischen der Religiosität einer Person und deren Sichtweise des persönlichen Lebenssinns gibt?

In diesem Artikel wird mit Hilfe einer Studie versucht, die Beziehung zwischen Lebenseinstellungen und religiöser Motivation zu  erforschen. Wie bereits in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt wurde, spielt die Religion als Sinnquelle im Leben vieler Menschen eine durchaus wichtige Rolle. Jedoch, so fügt die Autorin hinzu, gibt es viele verschiedene Arten von Religiosität und es muss nicht unbedingt jede religiöse Orientierung ein Gefühl von Sinn vermitteln.

Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint es, zwischen den verschiedenen möglichen Aspekten einer religiösen Orientierung zu unterscheiden:

  • Intrinsische Religiosität: Die Religiosität von intrinsisch gläubigen Personen basiert auf einer großen inneren Motivation und ist ungemein wichtig für sie. Sie sind stark mit ihrer Religion verbunden. Der Nutzen, den die Verbundenheit mit einer Glaubensgemeinschaft mit sich bringt, steht für diese Menschen nicht im Vordergrund.
  • Extrinsische Religiosität: Die Motive für extrinsisch gläubige Menschen liegen im Erreichen von sozialen Gewinnen. Von ihnen wird die Religion z.B. dahingehend genutzt, einen sozialen Status zu erreichen oder in eine Gemeinschaft integriert zu sein.
  • Quest („Suche”): Personen, die auf der Suche sind, sind offen für die Exploration von Glaubensinhalten und sammeln Informationen und Antworten zu religiösen Fragen, ohne die Festlegung darauf, dass es nur eine mögliche Klärung dafür gibt.

In der beschriebenen Untersuchung wurden diese 3 Arten von Religiosität als mögliche Ursachen für das Erleben von Lebenssinn, Lebenszweck und Akzeptanz des Todes gesehen und dahingehend überprüft. Als Stichprobe wurden 42 amerikanische Studenten herangezogen, welche das „Life Attitude Profile” (von Reker & Peacock, 1989) und einen Fragebogen zur religiösen Orientierung ausfüllten.

Als Ergebnis kann festgehalten werden, dass Personen, welche eine hohe intrinsische Religiosität aufweisen, von einem großen Sinnempfinden berichten. Sinnempfinden war sonst mit keiner anderen Art von Religiosität verbunden.

Eine hohe Akzeptanz des Todes ist stark mit der Suche („Quest”) nach einer religiösen Einstellung verbunden, jedoch überraschenderweise nicht mit intrinsischem Glauben. Dieses Ergebnis kann jedoch auch auf den jungen Altersdurchschnitt der Stichprobe zurückgeführt werden.

Interessant ist außerdem, dass extrinsische Religiosität keinen einzigen Aspekt von Sinn vorhersagen konnte. Daraus kann geschlossen werden, dass extrinsische Religiosität eher selten mit dem Erleben von Sinn einhergeht – vielleicht, weil diese Art zu glauben nicht auf einer wirklichen ‚Verinnerlichung’ beruht?

Ist der Lebenssinn das entscheidende Bindeglied zwischen Religion und Lebenszufriedenheit?

Steger M. F., & Frazier P. (2005). Meaning in Life: One Link in the Chain from Religiousness to Well-Being. Journal of Counseling Psychology, Vol.52, No 4, 574-582.

Zusammengefasst von Simone Schmit:

Folgend handelt es sich um eine interessante Untersuchung bezüglich des Zusammenhanges zwischen Lebenssinn, Religion und Lebenszufriedenheit.

Lebenssinn, Religion, Wohlergehen; diese Schlüsselwörter des Artikels von Michael F. Steger und Patricia Frazier waren jene, die mich dazu antrieben diesen Artikel durchzulesen; mir erschien der Zusammenhang dieser Wörter so offensichtlich, dass mir die “wahre” Verbindung zwischen ihnen bisweilen verdeckt blieb. Fragen wie: Ist der Lebenssinn das entscheidende Bindeglied zwischen Religion und Lebenszufriedenheit? Beeinflussen sich diese Komponenten? rücken in dem Artikel in den Vordergrund des Interesses. Die Ergebnisse von Steger und Frazier bejahen diese Frage und  erläutern, dass religiöse Menschen mehr Sinnerfüllung erleben und dadurch eine positivere Sicht auf ihr eigenes Leben und sich selbst haben. Religion führt oftmals dazu, dass Menschen einen tieferen Lebenssinn entwickeln, was ein wichtiges Element für das Wohlbefinden eines Menschen darstellt.

Beispielsweise sind Menschen, die ethischen Minoritäten angehören, eher dazu bereit ihren Sinn des Lebens aus ihrer Religion abzuleiten, als Menschen, die einer Mehrheit angehören. Daraus lässt sich schließen, dass Menschen, die ihren Glauben stärker verinnerlicht haben – also sozusagen stärker glauben, religiöser sind – auch mehr dazu tendieren, einen Lebenssinn für sich zu entdecken. So steht der Lebenssinn  in der Mitte, als Resultat des Glaubens und als Ausgangspunkt für das eigene Wohlbefinden.

Wesentlich ist hier die Erkenntnis, dass religiöse Menschen nur dann Wohlbefinden erleben, wenn sie Sinnerfüllung erfahren. So wäre es ein Trugschluss zu denken, dass alle religiösen Menschen über Lebenszufriedenheit verfügen; ohne Sinnerfüllung ist Religion kein selbstverständlicher Zugang zum persönlichem Wohlbefinden.

Darstellung eines Fragebogens zur Erfassung von Lebenszielen

Klusmann U., Trautwein U. & Lüdtke O. (2005). Intrinsische und extrinsische Lebensziele. Reliabilität und Validität einer deutschen Fassung des Aspirations Index. Diagnostica 51/1, S. 40-51.

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Wie kann man eigentlich die unterschiedlichen Ziele von Menschen erfassen? Auf welchem Wege kann dies durchgeführt werden?

Eine Möglichkeit dies zu erfassen bietet der Aspiration Index (von Deci & Ryan, 1997). Das ist ein Fragebogen, welcher 35 Lebensziele vorgibt, die von den Befragten hinsichtlich ihrer Wichtigkeit und der Erwartungswahrscheinlichkeit („Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie dieses Ziel erreichen?”) geordnet werden. Diese vorgegebenen Lebensziele erfassen die Bereiche persönliches Wachstum, Beziehungen, Gesellschaft, Gesundheit, Wohlstand, Ruhm und Attraktivität. Unter Lebensziele versteht man langfristig ausgerichtete Ziele, welche einen Orientierungspunkt im Leben darstellen. Neben der Befriedigung der körperlichen Bedürfnisse ist es für jeden Menschen wichtig, Kompetenz, menschliche Nähe und Autonomie zu erreichen. Wonach jeder Mensch letztendlich strebt, ist stark mit seiner/ihrer individuellen Lebensgeschichte verknüpft.

Im Aspiration Index werden intrinsische und extrinsische Ziele erhoben. Unter intrinsischen Zielen ist das Streben nach Selbstakzeptanz, nach sozialer Eingebundenheit und nach Verbesserung der Gesellschaft gemeint. Zu den extrinsischen Zielen zählen Reichtum, äußerliche Attraktivität, sowie Ruhm. Menschen, die ihr Leben mehr nach intrinsischen Zielen ausrichten und diese befriedigen können, empfinden höheres Wohlbefinden als jene, die nach extrinsischen streben.

Bei einer Studie des Berliner Max-Planck-Instituts mit dem Aspiration Index, welcher auf Deutsch übersetzt wurde, wurden Beziehungsziele am wichtigsten und mit den höchsten Erwartungen eingeschätzt, gefolgt von persönlichem Wachstum, Gesundheit und Gesellschaft. Die niedrigste Ausprägung erfährt die Kategorie Ruhm.

Wie durch Studien bewiesen wurde, ist der Aspiration Index ein gültiges Verfahren mit hoher Stabilität (was bedeutet, dass ähnliche Ergebnisse bei wiederholten Messungen mit einigem Zeitabstand wieder auftauchen), um Lebensziele zu erheben.

Sind Sie neugierig geworden?

Persönlichkeit und Lebenssinn

Schnell, T., Becker, P. (2006). Personality and meaning in life. Personality and Individual Differences, 41, 117-129.

Zusammengefasst von Simone Schmit:

In dem Artikel „Personality and meaning in life” geht es um die Beziehung zwischen Persönlichkeit und zwei folgend beschriebenen Aspekten des Lebenssinnes:

  • Die Sinnerfüllung- d.h. Sinnerleben: das Ausmaß an empfundener Sinnerfüllung.
  • Die Quellen des Sinnes: Lebensbedeutungen, durch welche der Mensch Sinnerfüllung erfahren kann; beispielsweise Selbst-Transzendenz, wozu Religiösität, Spiritualität und Naturverbundenheit gehören, oder Selbstverwirklichung (Individualität, Macht, Freiheit usw.) sowie Ordnung (Vernunft, Moral, Tradition usw) und Wir- und Wohlgefühl ( Spaß, Wellness, Liebe usw.)

Für die im Artikel beschriebene Untersuchung ging man von 3 Hypothesen aus.

  1. Die erste Hypothese geht von einem gemäßigten Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Sinnerfüllung aus. So nahm man an, dass eine extravertierte Person, also eine ihrer Umwelt gegenüber aufgeschlossene Person, eine hohe Sinnerfüllung aufweist.Persönlichkeit              ——–>                      Sinnerfüllung
  2. Zur zweiten Hypothese: Persönlichkeitsfaktoren lassen mittels der Sinnquellen auf die Sinnerfüllung schliessen. So könnte man sagen, dass bei bestimmten Persönlichkeitseigenschaften bestimmte Lebensbedeutungen bevorzugt werden, und über diese dann wiederum Sinnerfüllung erlebt wird.Persönlichkeitsmerkmale  —–>  Lebensbedeutungen  ——->  Sinnerfüllung
  3. Die dritte Hypothese besagt, dass es möglich ist, ganz spezifische Lebensbedeutungen anhand der Persönlichkeit vorherzusagen. Man könnte also vorhersagen, dass eine bestimmte Kombination von Persönlichkeitseigenschaften, wie hohe Extraversion und hohe Verträglichkeit, mit der Lebensbedeutung ‚Gemeinschaft’ einhergeht.

Um herauszufinden, ob sich diese Hyptohesen bestätigen, wurden 202 Männer und Frauen aus ganz Deutschland untersucht. Bei den Persönlichkeitsmerkmalen ging man von den 4 folgenden aus, erfasst mit dem Trierer Integrierten Persönlichkeitsinventar von Becker:

  1. Neurotizismus: bezeichnet Menschen, die oft besorgt, ängstlich, unsicher sind.
  2. Extraversion/Offenheit: bezeichnet aktive und enthusiastische Personen.
  3. Gewissenhaftigkeit: kennzeichnet Menschen, für die Selbstdisziplin und Fürsorge wichtig sind.
  4. Verträglichkeit: einfühlsam, wenig nachtragend oder misstrauisch.

Die Untersuchung brachte folgende Ergebnisse hervor: Die erste und die dritte Hypothese sind bestätigt worden.

Die erste Hypothese betreffend (Sinnerfüllung durch Persönlichkeitsmerkmale hervorsagen) konnte für die Persönlichkeitsmerkmale Extraversion/Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit mit eindeutigen Ergebnissen bestätigt werden. Jedoch ist darauf hinzuweisen, dass sich nur 16 % der Unterschiedlichkeit der Sinnerfüllung mittels der 4 Persönlichkeitsmerkmale erklären lassen. Menschen, die ihr Leben als sinnerfüllt erleben, kann man also als tendenziell eher extravertiert, offen, verträglich und pflichtbewusst beschreiben.

Interessant ist auch dass es keinen negativen Zusammenhang zwischen Neurotizismus und Sinnerfüllung gibt. So kann man sagen, dass auch bei seelischer Instabilität Sinnerfüllung möglich ist. Theoretisch kann jeder Sinnerfüllung erfahren, unabhängig von den jeweiligen Persönlichkeitsmerkmalen!

Zur zweiten Hypothese (Sinnerfüllung durch Persönlichkeitsmerkmale via Lebensbedeutungen vorhersagen). Das interessanteste Ergebnis war hier, dass die Sinnerfüllung  extravertierter Menschen unabhängig ist von der Sinnesquelle, die die Person wählt: – es gibt also einen direkten Weg von Extraversion zur Sinnerfüllung.
Die Hypothese 3 (Vorhersage spezifischer Sinnesquellen durch Persönlichkeitsmerkmale) konnte bestätigt werden. So kann man beispielsweise sagen, dass Personen mit den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion und Gewissenhaftigkeit ihre Sinnerfüllung in den Lebensbedeutungen Entwicklung, Leistung und Fürsorge finden. Menschen mit hoher Extraversion verwirklichen häufig die Lebensbedeutungen Spaß, Herausforderung und Individualität auf. Besonders niedriger Neurotizismus findet sich bei Menschen, die Macht als sinnstiftend erleben. Personen mit hohem Neurotizismus beschreiben häufig Spiritualität, Liebe und Harmonie als zentrale Sinnquellen. Warum wohl gerade diese drei Lebensbedeutungen? Vielleicht stellen sie besonders gute Anker dar für Menschen, die viel grübeln, Verlassensängste haben und selbstunsicher sind.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Burnout und Sinnverlust?

Schmitz, E. & Hauke, G. (1994). Burnout und Sinnverlust. Integrative Therapie 3, S. 235-253

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Jeder hat sicherlich schon einmal etwas über Burnout gehört und weiß, dass dieser Zustand von emotionaler, geistiger und körperlicher Erschöpfung gekennzeichnet ist, was so weit gehen kann, dass die von Burnout betroffene Person arbeitsunfähig, depressiv und suizidgefährdet ist. Bei der Krankheit Burnout kommt es zu einer verminderten Leistungsfähigkeit und psychischer Erschöpfung. Alle Berufsgruppen sind davon betroffen und es wird oft erst spät erkannt, da es von einem sehr schleichenden Verlauf geprägt ist.

Burnout hat auch etwas mit Sinnverlust zu tun. Aber die Frage, worin der Zusammenhang zwischen Burnout und Sinnverlust besteht ist immer noch unklar. Beim Burnout treten teilweise dieselben Symptome auf, wie beim Sinnverlust, wie beispielsweise Gefühlsleere, Energiemangel, chronisches Gefühl der Hoffnungslosigkeit oder existentielle Verzweiflung. In dem Artikel wird ein Versuch beschrieben, den Zusammenhang zwischen Burnout und Sinnverlust anhand einer Fragebogenstudie empirisch zu belegen. Verwendet wird hierzu ein Fragebogen mit einer bekannten Burnout-Skala, den „Maslach Burnout Inventory” (Maslach & Jackson, 1986) und ein Instrument zur Messung der inneren Sinnerfüllung und der existentiellen Frustration, der LOGO-Test von Elisabeth Lukas (1986). Als Ergebnis ergab sich ein gut belegter Zusammenhang von Burnout-Werten und den Werten des Logotests, d.h. es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen innerem  Ausbrennen und Sinnverlust. Die Frage nach der Ursache dieses Zusammenhangs und dessen Wirkung kann allerdings nicht beantwortet werden.

Aber wie und warum entsteht Burnout? Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Erklärungsansätze. Einer geht davon aus, dass Burnout dadurch entstehen kann, dass sich die Person ausschließlich mit nur einem einzigen Lebensbereich, und zwar der Arbeit, identifiziert und keine anderen Quellen hat, aus denen sie/er Energie oder Selbstbewusstsein schöpfen kann. In der Arbeit kommt es zu einer Überschätzung der eigenen Grenzen, zu vermehrter Anstrengung und Engagement, was schließlich zu einem Zusammenbruch führt.

Ich für mich ziehe aus dem Artikel den Schluss, dass es gesünder und wertvoll ist, wenn man sich selber als Person nicht nur über einen einzigen Lebensbereich definiert, sondern mehrere Dinge als wichtig in seinem Leben ansieht. Überlegen Sie einmal für sich, ob in Ihrem Leben verschiedene Bereiche Aufmerksamkeit bekommen. Dreht sich bei Ihnen alles um Arbeit oder steht nur die Familie im Mittelpunkt? Auch Freizeit und persönliche Hobbys können sinnstiftend sein. Sicherlich spielt die Arbeit eine sehr große Rolle in jedermanns Leben und man kann durch sie viel Selbstbestätigung gewinnen und seine Arbeit als sehr sinnstiftend im Leben sehen, allerdings darf und sollte das nicht das Einzige sein, was unser Leben erfüllt.

Sinnkrisen, Belastungen, Lebenssinn…

Schmitz, E., 2005, „Sinnkrisen, Belastungen, Lebenssinn – psychologische Perspektive, Konzepte und Forschung”, Sonderdruck aus: Petzold H. G., Orth I. (Hgg.), Sinn, Sinnerfahrung, Lebenssinn in Psychologie und Psychotherapie, 122- 155.

Zusammengefasst von Tatjana Hoffmann:

Empfinden wir mehr Sinn im Leben, wenn wir schwere, oft tragische Lebensereignisse zu bewältigen haben? Oder lässt uns das Sinnempfinden besser, kompetenter mit ebensolchem Leid im  Leben umgehen? Mit solchen Überlegungen beschäftigen sich Laien wie auch Wissenschaftler in Selbstreflexionen, psychotherapeutischen und psychiatrischen Arbeiten, Tagebuchaufzeichnungen, sowie philosophischen Diskussionen.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens im Allgemeinen ist streng wissenschaftlich nicht messbar. Die Psychologie arbeitet hier an der Frage nach dem persönlichen Lebenssinn des einzelnen Menschen.

Die wichtigsten Methoden zur Erfassung von Sinnempfinden lassen sich in zwei Hauptverfahren aufteilen. Die einen sind standardisierte Fragebögen, wie z.B. Purpose in  Life Test (PIL), Seeking of Noetic Goals Test (SONG), Life Regard Index (LRI) und Life Attitude Profile Revised (LAP-R). Das zweite Hauptverfahren, die Interviewmethode umfasst  alle freien Erzählungen. Allerdings ist anzumerken, dass die Forschung zu Lebenssinn und Sinnerleben z.T. immer noch sehr subjektiv  ist und sich daher oft methodischen und logischen Überprüfungen entzieht.

Viktor Frankl ging davon aus, dass wir in lebensbedrohlichen Situationen einen besonders starken „Willen zum Sinn” entwickeln. Newcomb und Harlow zeigen hingegen, dass die Sinnlosigkeit bedingt durch schwere Einschnitte im Leben wie Krankheit, z.B. Krebs- oder HIV- Diagnose, schwerer Unfall, Folter  oder auch Stress zu Leiden wie etwa Süchten führen kann.

Sinnverlust resultiert aus Kontrollverlust über das eigene Leben. Hierbei ist es entscheidend, wie das Ereignis subjektiv  bewertet wird und auf welche Gründe die Person den Kontrollverlust zurückführt.  Ist dieser auf eine bestimmte Situation beschränkt, so kann die Person besser damit umgehen, indem sie sich in der Bewältigung gezielt auf dieses eine, oder auch mehrere, aber einzelne Bereiche konzentriert. Verspürt die Person nach einem solchen Ereignis aber das Gefühl auf der ganzen Linie zu versagen, d.h. vollkommene Hilflosigkeit, so stellt sie sich als gesamte Person in Frage und ist mit der Verarbeitung schnell überfordert.

Menschen, die fähig sind Befriedigung zu erfahren, optimistisch die Zukunft zu planen und in verschiedenen sozialen Rollen zu fungieren, verarbeiten Lebenskrisen besser. Zudem erfährt eine Person umso weniger Sinnverlust, je höher die Anzahl der Bereiche ist, in denen sie fest verankert ist, wie z.B. Arbeitsplatz, Glaubensgemeinschaft und Familie.

Kritische Lebensereignisse sind Entwicklungsaufgaben.  Diese sind entsprechend den persönlichen Kompetenzen zu bewältigen. Ist hierbei der Bewältigungsprozess die Quelle der Sinnfindung? Lebenskrisen können eine Art Weckruf sein, das Leben zu überdenken, neue Prioritäten zu setzten und Interessen zu erforschen. Sie können aber auch zur Aufgabe jeglicher Ziele im Leben und zu einem Gefühl tiefer Sinnlosigkeit führen. Damit haben sowohl Harlow, als auch Frankl in ihrer Annahme Recht. Es liegt also ein gutes Stück weit an uns selbst, ob wir durch solche Situationen verzweifeln, oder die Zügel packen und neue Sichtweisen für das Leben gewinnen.

Wege zum Sinn. Sinnfindung mit und ohne Religion

Schnell, T. (2004). Wege zum Sinn. Sinnfindung mit und ohne Religion – Empirische Psychologie der Impliziten Religiosität. Wege zum Menschen, 56, 3-20.

Zusammengefasst von Simone Schmit:

74 Personen aus Deutschland mit vielfältigen religiösen Hintergründen wurden interviewt um einen Überblick über die Inhalte und Arten von impliziter Religiosität zu bekommen. Unabhängig davon, was man im Allgemeinen unter Religiosität versteht, wurden die Befragten gebeten, ihre persönliche Religiosität zu beschreiben.

Sechs Ausprägungen konnten unterschieden werden.

  1. 23% der Befragten beschrieben ihre persönliche Religiosität als Kontingenzbewältigung – „Dass ich nicht alleine dastehe, dass Gott bei mir ist, dass ich behütet, beschützt bin, Hilfe bekomme”
  2. 18% der Interviewten verstehen unter persönlicher Religiosität die Wahrnehmung einer All-Einheit von allem – „Verbundenheit mit der Welt, mit dieser Energie, man ist nicht allein als Mensch da. Sondern man gehört zu einer Gemeinschaft”
  3. 12% der befragten Personen definieren ihre persönliche Religiosität als ein Urvertrauen – „Ein großes Daseinsvertrauen, eine Getragenheit, die mir Geborgenheit gibt ohne dass ich etwas dafür geleistet hätte…”
  4. Für 11% der Befragten steht der Glaube an Gott im Mittelpunkt – „An Gott zu glauben, aber auch an die eigene Verantwortung, Gott dankbar zu sein…”
  5. Die persönliche Religiosität als Glaube an eine nicht näher zu beschreibende höhere Macht gilt für weitere 11% – „Es bedeutet für mich an etwas Höheres zu glauben. Ich bin der Meinung, dass ich für mich kein Gottesdienst und keine Kirche brauche damit ich gläubig sein kann”
  6. Für 5% der befragten Personen steht Religiosität für Werte und Normen – „Den christlichen Werten, die ja so in ihrer Grundbasis auch ähnlich sind zu anderen Religionen…nach denen so sein Leben ein bisschen ausrichten”

14% der Interviewten bezeichneten sich als gar nicht religiös.

Die TeilnehmerInnen wurden auch nach ihren persönlichen Mythen (Erklärung der Gegenwart aus der Vergangenheit, die Herleitung der persönlichen Orientierung und Werte aus dem was als wahr oder richtig angesehen wird), persönlichen Ritualen (Verhalten, das regelmäßig durchgeführt wird und in seiner Bedeutung über sich hinaus, auf eine grundlegendere Lebensbedeutung hinweist) und Transzendierungserfahrungen (beispielweise eine Begegnung mit einem Gott oder einer höheren Macht, kann nicht kontrolliert herbeigeführt werden und ist von kurzer Dauer) gefragt.

Der Inhalt der Interviews wurde dann analysiert; es ergaben sich jeweils unterschiedliche Kategorien bezüglich dieser 3 Themen, welche als typisch religiöse Denk-, Verhaltens- und Erlebensmuster gelten.

Zum persönlichem Mythos:

Der persönliche Mythos kann anhand der erwarteten Entwicklungsrichtung (optimistische oder pessimistische Lebenshaltung), dominanter Archetypen (z.B. Vorbilder), Lebensthemen und der Lebensaufgabe beschrieben werden.

  • Die Entwicklungsrichtung betreffend beschrieben:

- 34% der Befragten ihr Leben als konsistent positiv verlaufend;
- 38% gingen davon aus, dass es sich zum Besseren hin entwickele.
- 20 % hatten das Gefühl, dass mit der Zeit alles schlechter werde.
- 8% berichteten von einer permanenten negativen Gefühlslage.

  • Archetypen: Über ein Drittel gaben gar keine Vorbilder an,

- 14% bestimmten religiöse Autoritäten als ihr Vorbild,
- 11% nannten Sport oder Filmstars
- 9% gaben Familienmitglieder oder enge Freunde an.
- Weitere 9% nannten Politiker und 5 % Künstler und Intellektuelle.

  • Lebensthemen: Hier konnten 26 Lebensbedeutungen unterschieden werden, welche sich unter die Oberbegriffe: Transzendenzeinbindung [heute: vertikale Selbsttranszendenz], Verantwortung [heute: horizontale Selbsttranszendenz], Selbstverwirklichung, Tugend [heute: Ordnung] und Wir- und Wohlgefühl unterordnen lassen. Beispielsweise fällt unter Verantwortung: soziales und ökologisches Engagement, Naturverbundenheit, Generativität usw.
  • Zur Lebensaufgabe:  20 % gaben an, sie hätten keine.

- 46 % nannten eine, die als altruistisch zu bezeichnen ist.
- 14% gaben Selbstverwirklichung und
- 11% Selbstliebe, Liebe und Fürsorge an.
- 4% hatten eine explizit religiöse Lebensaufgabe und
- 7% konnten nicht genau sagen, was ihre Lebensaufgabe ist.

Es konnten viele Zusammenhänge der verschiedenen Elemente ermittelt werden. Einige davon werde ich folgend erläutern:

  • Die Wahrnehmung einer Lebensaufgabe geht mit einer optimistischen Einschätzung des Verlaufs der eigenen Lebensgeschichte einher.
  • Menschen, die eine Lebensaufgabe haben, weisen auch deutlich häufiger Vorbilder auf.
  • Hohe Werte auf jeder der fünf Sinndimensionen erhöhen die Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins einer Lebensgeschichte.
  • Eine Lebensaufgabe ist umso wahrscheinlicher vorhanden, je stärker eine Person ihre persönliche Religiosität einschätzt.
  • Auch eine positive Erwartung bezüglich der Entwicklung des Lebensverlaufs geht mit hoher persönlicher Religiosität einher.

Persönliche Rituale:

Es konnten folgende Arten von persönlichen Ritualen identifiziert werden:

  • Gemeinschaftsrituale (z.B. gemeinsames Ausgehen, Telefongespräche, Einladung zum Essen). 80% berichteten von mindestens einem Gemeinschaftsritual.
  • Übergangsritual: z.B. Übergang vom Schlafen zum Erwachen, vom Arbeitsleben in die Freizeit oder auch biographische Rituale wie Geburtstage). 66% der Befragten berichteten hiervon.
  • Rituale sozialen Engagements: z.B. Nachbarschaftsbesuche, politische Aktivitäten, Gremienarbeiten in Vereinen. Die Hälfte aller Befragten gab an, solche Rituale auszuüben.
  • Wellness-Rituale: z.B. Wannenbäder, Tanzen, Sport oder Fitness. 42% üben regelmäßig solche Rituale aus.
  • Besinnungsrituale, beziehen sich auch auf den explizit religiösen Bereich wie beispielsweise Meditation, Gebet, Yoga. Ein Drittel aller Befragten führt solche Rituale aus.

Es zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen Ritualen und Lebensaufgabe: Je mehr persönliche Rituale eine Person ausübt, umso wahrscheinlicher ist es, dass diese eine Lebensaufgabe wahrnimmt

Je mehr persönliche Rituale ausgeübt werden, desto positiver sind die Erwartungen, die die Personen bezüglich der Zukunft hegen.

Jene Menschen üben die meisten persönlichen Rituale aus, die dem Wir-und Wohlgefühl viel Bedeutung zuweisen.

Die Häufigkeit von Übergangsritualen hängt mit der Höhe der persönlichen Religiosität zusammen.

Transzendierungserlebnisse:

Hier konnten 5 Kategorien von einander unterschieden werden:

  1. Selbstvergessenheit: alle berichteten von solchen Erlebnissen.
  2. Einheitserlebnisse: 63% der Befragten hatten bereits Einheitserlebnisse.
  3. Außersinnliche Wahrnehmungen 64% der Interviewten erzählten davon.
  4. Wunder: 33% berichteten von einer solchen Transzendierungserfahrung.
  5. Visionen/Erleuchtungen: 30% der befragten Personen beschrieben solche Erlebnisse.

Je mehr Transzendierung eine Person erlebt, desto eher hat sie eine Lebensaufgabe und nimmt einen positiven Entwicklungsverlauf ihres Lebens an.

Der gottgläubige Mensch ist am deutlichsten durch die hohe Bedeutung charakterisiert, die er den Sinndimensionen Transzendenzeinbindung zumisst,

während Menschen, die ihre persönliche Religiosität als Urvertrauen beschreiben, sich am häufigsten an Vorbildern orientieren.

Sie üben häufig Wellnessrituale aus und weisen eine hohe Offenheit für das Übersinnliche auf.

Wird Religiosität als Kontingenzbewältigung verstanden, werden besonders viele Rituale ausgelebt, vor allem Übergangsrituale.

Menschen die sich keinerlei persönliche Religiosität zuschreiben, haben keine Lebensaufgabe und gehen eher davon aus, dass das Leben sich zum Negativen hin verändert

Sie üben weder Gemeinschaftsrituale noch Übergangs- oder Rituale sozialen Engagements aus.

Sie erfahren weniger Transzendierungserlebnisse.

Auf allen Sinndimensionen außer der Tugend weisen sie unterdurchschnittlich Werte auf.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der implizit (persönlich) religiöse Mensch davon ausgeht, dass sein Leben einen positiven Verlauf nimmt; er hat eine Lebensaufgabe und orientiert sich häufig an Vorbildern. Er schöpft Sinn aus den Bereichen Verantwortung, Transzendenzeinbindung, Selbstverwirklichung oder Wir-und Wohlgefühl. Er übt viele persönliche Rituale aus, vor allem Rituale sozialen Engagements und Besinnungsrituale. Er erfährt  häufig Transzendierungerlebnisse.

Eine nicht explizit christliche Religiosität wird häufig als sinnvoller erlebt als eine explizit christliche Religiosität.

Was sucht der Mensch, wenn er Sinn sucht?

Längle, A. (1991). Was sucht der Mensch, wenn er Sinn sucht? Daseinsanalyse 8/3. S. 174-183

Zusammengefasst von Anna Engelhardt:

Jeder Mensch bestimmt den Sinn seines Lebens selbst. Sinnsuche und -empfindung ist also etwas Subjektives, etwas, was jeden Menschen unterscheidet.

Mit der Sinnfrage beschäftigen sich verschiedene Forschungszweige, wie beispielsweise die Psychologie, aber auch in der Religion spielt diese Frage eine Rolle.

Sind wir Menschen ständig auf der Suche nach Sinn oder nur in bestimmten Lebenslagen? Überlegungen von Längle in seinem Artikel beziehen sich darauf, dass sich besonders in Zeiten des Verlusts (Verlust von etwas Wertvollen, wie beispielsweise bei Krankheit) die Sinnfrage besonders aufdrängt. Auch Orientierungs- und Beziehungslosigkeit in gewissen Lebensphasen drängen Menschen verstärkt dazu, sich mit dem Thema Sinn auseinander zu setzen. Das Gefühl von Leere und Sinnlosigkeit wird in unserer Kultur häufig durch übersteigertes Konsumverhalten (sei es Konsum von materiellen Sachen, Drogen oder Alkohol) zu kompensieren versucht. Hingegen sagt Frankl (1982a), dass der Mensch nicht nur in bestimmten Lebenssituationen nach Sinn sucht, sondern ständig darum bemüht ist, Sinn im Leben zu finden. Jeder Mensch sei fundamental auf Sinn hin ausgerichtet und strebt sein ganzes Leben lang danach.

Aber warum? Warum streben wir nicht einfach nur nach Vergnügen und Lust?

Wir Menschen erleben, dass unser Handeln nicht gleichgültig ist, sondern dass unser Verhalten zu Reaktionen und Wirkungen führt. Deshalb ist es den Menschen nicht gleichgültig, was sie tun bzw. unterlassen. Die Frage nach dem Sinn unserer Handlungen drängt sich uns immer wieder auf. Die Sinnfrage ist eine Grundfrage und es geht dabei auch darum, herauszufinden warum man selbst in der Welt ist. Auf diese Frage suchen Menschen unter anderem auch in der Religion eine Antwort.

Haben Sie schon eine Antwort darauf für sich gefunden?

Der Zeitgeist und die Frage nach dem Sinn des Lebens

Csef,  H. (1999). Der Zeitgeist und die Frage nach dem Sinn des LebensExistenzanalyse 1/1999, 4-12.

Zusammengefasst von Tatjana Hoffmann:

„Jede Zeit hat ihre Neurose – und jede Zeit braucht ihre Psychotherapie”. Welche psychischen Defizite sind es, die sich in unserer Zeit abzeichnen? Nach Csef sind es neben Sorgen um Umweltzerstörung, Krieg, Aggression, vor allem auch Ängste vor Arbeits-, Status-, sowie Beziehungsverlust und ganz einfach die „namenlose Angst” vor der Ungewissheit der Zukunft. Die Folgen davon reichen von psychischen Problemen wie Depression, über Süchte, hin zu Gewalt gegenüber sich selbst und den Mitmenschen.

Csef führt in seiner zusammenfassenden Arbeit zur „Frage nach dem Sinn des Lebens” eine Reihe von namhaften Personen an, die sich damit beschäftigen. So haben viele Politiker das Thema für sich entdeckt. Sie sind sich einig, dass das ausschließliche Streben nach materieller Befriedigung zu Sinnverlust und damit zu vielfältigen sozialen Problemen führt.

Neben Politikern, die sich vor allem mit den Wechselwirkungen zwischen Individuum und Gesellschaft beschäftigen, richtet die Psychoanalyse ihren Blickwinkel auf zwischenmenschliche Beziehungen. Der zunehmende Vertrauensverlust in diesen führt zu sich verbreitendem Zukunftspessimismus.

Soziologen führen die steigende Unübersichtlichkeit der Welt und den durch den Fortschritt in vielen Bereichen resultierenden Wertewandel an. So führt beispielsweise die Virtualität in unserem gegenwärtigen Alltag zu einem Verlust an realen sinnlichen Erfahrungen.

Wie soll sich das Individuum in dieser Dynamik orientieren? Dazu gibt es seit einiger Zeit ein wachsendes Übermaß an Fertigprodukten in der Literatur. Dieses führt allerdings oft zu noch mehr Verwirrung und Ratlosigkeit bei den Sinnsuchenden. Das häufigste Ziel der Sinnsuche ist es, mit der Familie glücklich zu sein. Dies wird allerdings angesichts der gesellschaftlichen Entwicklungen immer schwieriger zu erreichen.

Trotz der Vielzahl an Psychotherapierichtungen (etwa 400 Schulen) beschäftigten sich bisher nur wenige mit der Sinnfrage. Die Logotherapie sowie die Existenzanalyse versuchen jeden Einzelnen bei der Sinnfrage zu unterstützen. Sie stellen somit für viele einen „Kompass … in orientierungslosen Zeiten” dar.